Während sich Frankreich, Kroatien, Argentinien und das Sensationsteam aus Marokko aufs Halbfinale vorbereiten, haben die Verlierer der jüngsten Viertelfinalspiele bereits die Heimreise angetreten. Das unerfreuliche Aus bei der WM dürfte nicht ohne Folgen bleiben, Trainerdiskussionen paaren sich mit Schuldzuweisungen. Hier ein kurzer Überblick über die Verfassung der Ausgeschiedenen.

Niederlande: Die WM in Katar dürfte die letzte in der langen und erfolgreichen Trainerkarriere von Oranje-Trainer Luis van Gaal gewesen sein. Es war ein denkwürdiger Abend, der den Niederlanden erst im Elfmeterschießen das Viertelfinal-Aus gegen Argentinien bescherte. Der 71-jährige Van Gaal wurde nicht nur von Argentiniens Superstar Lionel Messi kritisiert, sondern auch von der heimischen Presse. Er selbst trat "unglaublich stolz" ab.

In seiner Pressekonferenz nach dem Spiel ging es Van Gaal denn auch um die Würdigung seiner eigenen dritten Amtszeit als Bondscoach. "Ich war ein Trainer für 20 Matches - und wir haben kein Spiel in dieser Zeit verloren. Ich bin unglaublich stolz. Ich hatte eine wunderbare Zeit. Und es ist unglaublich schmerzhaft, auf diese Weise auszuscheiden", betonte er. Da es nach 90 und 120 Minuten 2:2 stand, wertete er das Viertelfinal-Aus zumindest statistisch nicht als Niederlage. "Was ich hinterlasse, ist eine exzellente Gruppe. In fußballerischer wie auch menschlicher Hinsicht."

Indessen steht bereits seit Monaten fest, dass Van Gaal als Trainer aufhören und von dem ehemaligen Barcelona-Trainer Ronald Koeman beerbt werden wird. Offen ist nur noch, ob er seine Karriere ganz beendet oder wie zuletzt mehrfach kokettiert bei einem anderen Verband oder Verein fortsetzt. Mit dem WM-Titel wird es aber schwer. Beim nächsten Turnier 2026 in den USA, Mexiko und Kanada wird Van Gaal bereits 74 Jahre alt sein.

Portugal: Superstar Cristiano Ronaldo war schon längst weinend und frustriert von der WM-Bühne verschwunden, die Fragen nach der Zukunft mussten daher andere beantworten. "Es ist jetzt nicht der Zeitpunkt, um über die Zukunft von Cristiano Ronaldo oder Pepe zu reden", sagte der 39-jährige Ersatzkapitän Pepe, der nach dem 0:1 gegen Marokko und dem Aus im WM-Viertelfinale wie Portugals gesamte Nationalelf frustriert und niedergeschlagen war.

Für Ronaldo könnte es nach fünf WM-Endrunden ein trauriger endgültiger Abschied von der großen Bühne gewesen sein. Zuletzt war der Angreifer nur noch Joker und konnte selbst in dieser Rolle nichts bewirken. Den Titel hat er bereits abgehakt. "Eine Weltmeisterschaft zu gewinnen, war der ehrgeizigste und größte Traum in meiner Karriere", schrieb er am Sonntag. Ronaldo bleibt mit seiner Familie und einigen Teamkollegen noch in Katar, während der Rest von Portugals Mannschaft bereits die Heimreise angetreten hat. Nach der Rückreise nach Portugal wird er sich wohl um seine unmittelbare persönliche Zukunft kümmern. Seit seiner Trennung von Manchester United kurz vor der WM ist der 37-Jährige vereinslos. Ihm liegt Berichten zufolge ein lukratives Angebot aus Saudi-Arabien vor. Lieber soll Ronaldo aber in Europa bleiben wollen.

Brasilien: Es hätte seine Krönung im brasilianischen Nationaltrikot werden sollen. Als der Traum platzte, hatte auch Brasiliens Star Neymar Zweifel. Der neue Rekordstürmer der Seleção ließ seine Zukunft in der Nationalmannschaft nach dem enttäuschenden Viertelfinal-Aus bei der Fußball-WM in Katar offen. "Ich schließe die Tür nicht. Aber ich garantiere auch nicht zu 100 Prozent, dass ich zurückkehren werde", sagte der 30-Jährige. Mit seinem 77. Teamtor zog Neymar in der ewigen Torschützenliste des fünffachen Weltmeisters mit Legende Pele gleich.

Dem scheidenden Trainer Tite streute Neymar indes Rosen. Laut dem Internet-Portal "UOL Esporte" könnte Carlo Ancelotti Tite als Coach nachfolgen. Wie das Portal am Montag mit Verweis auf Verbandsquellen berichtete, soll Ancelotti von Real Madrid bereits im Oktober erstmals kontaktiert worden sein. Demnach habe er sich offen für konkrete Verhandlungen gezeigt, sobald das Amt frei würde. Ancelotti hat in Madrid noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2024. Der 63-Jährige selbst hatte gemeint, seine Karriere nach der Zeit in Madrid zu beenden.

England: Englands Nationalteam ist bei der WM in Katar im Viertelfinale knapp an Frankreich gescheitert und muss damit weiter seit 1966 auf einen Titelgewinn warten. Geht es nach den Kickern, soll Coach Gareth Southgate trotzdem im Amt bleiben. "Ich hoffe, er bleibt. Er war brillant für uns. Es gibt viel Kritik, die nicht gerechtfertigt ist. Er hat uns so weit gebracht, weiter als das die Leute erwarten konnten", sagte Mittelfeldmann Declan Rice. Auch Abwehrspieler Harry Maguire lobte den Coach infolge der 1:2-Niederlage, bei der Kapitän Harry Kane einen Elfer verwandelte und einen weiteren über das Tor schoss: "Wir Spieler lieben Gareth, er war großartig zu jedem von uns."

Southgate selbst will offenbar keinen schnellen Entschluss fassen. "Ich brauche Zeit, um korrekte Entscheidungen zu treffen. Es ist sehr emotional. Du hast so viele unterschiedliche Gefühle bei so einer WM. Es kostet so viel Energie, enorm viel Energie", erklärte er. Der Vertrag des seit Ende September 2016 tätigen 52-Jährigen läuft bis Ende 2024. Im Sommer 2024 geht in Deutschland die nächste EM über die Bühne.