Nein, diesen Trostpreis wollen beide ganz bestimmt nicht mehr. Bester Spieler des WM-Turniers, ausgezeichnet mit einem kleinen, goldenen Ball nach dem Schlusspfiff des Endspiels. Wie versteinert entgegengenommen, mit unterdrückten Tränen. Denn dieser Pokal ist nichts wert an diesem Abend, gezählt hätte nur der große goldene mit der Weltkugel als Ball - aber den bekommt der Kapitän des anderen Teams. Und eben nicht Lionel Messi (2014) respektive Luka Modric (2018).

Gerade für Messi war es vor acht Jahren in Rio eine demütigende Prozedur, diese Auszeichnung über sich ergehen lassen zu müssen - nach der bittersten Niederlage seiner Karriere im WM-Finale gegen Deutschland (0:1 n.V.). Dass der Argentinier heuer mit 35 Jahren noch eine zweite Chance erhält, Verpasstes nachzuholen, durfte aufgrund seiner Form respektive jener der Albiceleste angenommen werden; dass auch der zwei Jahre ältere Modric seine Vatreni neuerlich ins Semi- und eventuell sogar Finale führen kann, darf eher als Überraschung qualifiziert werden. Schon nach der 2:4-Finalniederlage gegen Frankreich in Moskau glaubte die Fußballwelt, der Zenit dieser etwas überalterten Mannschaft sei damit erreicht. Ein Irrtum, den nach Japan im Achtel- auch die Selecao im Viertelfinale bitter zur Kenntnis nehmen musste. Die (einstigen) Brasilianer Europas behielten zwei Mal im Penaltyschießen und insgesamt nicht unverdient die Oberhand.

"Kroatiens Kopf" gegen Brasilien: Coach Zlatko Dalic über Luka Modric. 
- © reuters / Lee Smith

"Kroatiens Kopf" gegen Brasilien: Coach Zlatko Dalic über Luka Modric.

- © reuters / Lee Smith

Insbesondere Modric wähnte man im Viertelfinale schon in seiner letzten WM-Partie überhaupt - zumal er schon gegen Japan am Ende seiner Kräfte war und in Minute 99 vom Platz musste. "Wenn Sie ein Rezept für mich haben, wie ich jung bleibe: Geben Sie es mir gerne!", meinte der Real-Star vor dem Brasilien-Match in Hinblick auf eine etwaige weitere Endrunde anno 2026.

Jungbrunnen Katar

Doch irgendwo in Katar musste Modric dann ein Jugendelixier gefunden haben, zumal er just gegen Brasilien 120 Minuten durchspielte, die schon ausgeschieden geglaubte Elf zum Ausgleich führte, um dann im Elferschießen seinen Penalty zum 3:1 zu verwandeln. "Er war nicht müde. Er war unser Kopf, er hat ein unglaubliches Spiel gemacht", meinte Kroatiens Coach Zlatko Dalic.

Und das, obwohl Modric nicht nur der Taktgeber seiner Mannschaft ist, sondern sich trotz seines fortgeschrittenen Alters immer noch in jeden Zweikampf stürzt und - vorne wie hinten - oft unglaubliche Meter zurücklegt. Das unterscheidet den 1,72 Meter großen Mann aus Zadar übrigens ganz wesentlich von seinem 10er-Pendant aus Rosario, das um gut drei Zentimeter kleiner ist. Denn Messi mag wohl als Spielmacher mehr Zauber und Genialität versprühen (etwa bei seinem Pass zum 1:0 gegen die Niederlande im Viertelfinale), doch unübersehbar ist, dass der 35-Jährige in Katar sich mehr Auszeiten nimmt als früher. Oder eben nehmen muss. Den Oranje ist es allerdings nicht gelungen, diese Schwächen im Spiel auszunützen - ob es der Vizeweltmeister kann, wird sich heute Abend im Lusail-Stadion (20 Uhr/ServusTV) weisen.

Die Elf von Lionel Scaloni ("Der beste Messi aller Zeiten") baut jedenfalls ganz auf die Künste des PSG-Stars, auf den das Spiel der Gauchos zugeschnitten ist. Bei seiner fünften (und letzten) WM-Teilnahme hat der Superstar in fünf Spielen vier Mal getroffen - zwei Mal davon per Strafstoß.

Das bisher einzige Duell der beiden auf WM-Ebene hat allerdings Modric vor vier Jahren klar für sich entschieden: In der Vorrunde siegten die Balkankicker durch Treffer von Ante Rebic, Ivan Rakitic und Modric mit 3:0. Viel öfter kreuzten die beiden Weltfußballer beim spanischen Clasico die Klingen: Bei insgesamt 22 Duellen gewann Modric mit Real neun Mal - Messi mit Barcelona indes nur acht Mal. Beim letzten La-Liga-Duell siegte übrigens im April 2021 der Kroate - den Meistertitel holte dann aber keines der beiden Teams, sondern Atletico Madrid. Diese Geschichte soll sich in Katar nicht schon wieder wiederholen.