An angebliche Flüche für den Titelverteidiger bei einer Fußball-WM verschwendet bei Frankreich schon lange keiner mehr Gedanken. Der Weltmeister von 2018 in Russland steht auch vier Jahre später in Katar im Finale und setzt am Sonntag gegen Argentinien in Lusail (16 Uhr/ORF 1) zur ersten WM-Pokal-Verteidigung seit 1962 (Brasilien) an. Die Elf von Teamchef Didier Deschamps glänzte am Mittwoch beim 2:0-Halbfinalerfolg gegen Marokko zwar nicht, zeigte sich aber abgebrüht.

Theo Hernandez (5.) und Randal Kolo Muani (79.) schossen die Bleus ins Endspiel - beide Male fungierte Superstar Kylian Mbappé, der von den Marokkanern oft rüde von den Beinen geholt wurde, als Assistgeber. Die französische Defensive hielt mit etwas Glück den anstürmenden Nordafrikaner stand. "Es war kein einfacher Sieg", gestand Deschamps. "Wir mussten herausfordernde Momente überstehen."

Frankreich sei "eine seltsame Mannschaft", "nüchtern bis zum Exzess, die nicht glänzt, aber auch nicht verzeiht", philosophierte das Blatt "Clarín" aus dem Land von Finalgegner Argentinien. "Sie eröffneten das Spiel mit einem Treffer nach fünf Minuten und schenkten dann Marokko den Ball, bis zum Übermaß auf ihre Defensivsicherheit vertrauend."

Viertes Finale für Frankreich

Auch, wenn der zweite Finaleinzug in Serie kein Meisterwerk war, war Deschamps "natürlich stolz. Wir wissen alle, dass wir jetzt die Chance haben, unseren Titel zu verteidigen", erklärte der 54-Jährige. "Wir werden alles geben, was wir können, um sicherzustellen, dass wir am Sonntag noch glücklicher sind." Die Stimmung in seinem Starensemble sei jedenfalls großartig: "Wir sind jetzt einen Monat zusammen. Es ist nie einfach. Aber bis jetzt ist es eine wahre Freude. Das war wieder ein gewaltiges Match - und eins kommt noch." Zum vierten Mal nach 1998, 2006 und 2018 steht die Équipe Tricolore im Endspiel, wo kein Geringerer als Lionel Messi wartet. "Jedes Team mit Messi hat komplett andere Voraussetzungen. Wir haben Argentinien spielen sehen, wir wissen, wie sie spielen. Sie sind ein schwieriger Gegner", befand Antoine Griezmann, der gegen Marokko eine starke Leistung zeigte.

Gegen die Albiceleste erwartet der 31-Jährige auch wegen der heißblütigen Fans neuerlich ein Auswärtsmatch. "Wir müssen unsere Qualitäten nutzen, die Schlüsselspieler müssen den Unterschied machen. Vielleicht wird das Team gewinnen, das weniger Fehler macht", sagte Deschamps.

Mbappé zeigte indes Respekt vor den Leistungen der Marokkaner: "Jeder ist stolz auf das, was ihr geschafft habt. Ihr habt Geschichte geschrieben", meinte der 23-jährige Offensivstar von Paris Saint-Germain auf Twitter. Zuvor musste er seinen PSG-Klubkollegen Achraf Hakimi auf dem Platz lange trösten und umarmen.

Legendäres Match 2018

Bei der WM in Russland gab es das Traumduell bereits im Achtelfinale - in der besten Partie des Turniers obsiegte Frankreich mit 4:3, Mbappé traf damals doppelt. Auch dieses Mal wollen die Franzosen wieder Spielverderber für Messi bei dessen ultimativ letzten WM sein. "Es ist eine andere Mannschaft als die, gegen die wir vor vier Jahren gespielt haben", sagte Deschamps, der zudem ankündigte: "Es gibt noch ein letztes Spiel. Am Sonntag werden wir um den Titel spielen."(may/apa)