Österreichs Sportler des Jahres 2022 ist auch Österreichs Fußballer des Jahres: David Alaba, der Profi in Diensten von Real Madrid, setzte sich in der von der Austria Presse Agentur unter den Trainern beziehungsweise Sport-Verantwortlichen der zwölf Bundesligisten durchgeführten Wahl mit 58 Punkten klar vor Marko Arnautovic (Bologna/16) sowie Konrad Laimer (Leipzig) und Gernot Trauner (Feyenoord/je 7) durch. Für Alaba ist es die insgesamt neunte Kür zum Fußballer des Jahres. Seit 2011 wurde der Wiener nur drei Mal nicht zum besten Kicker gewählt – 2017 (Marcel Sabitzer), 2018 (Marko Arnautovic) und 2019 (Erling Haaland).

Damit ist Alaba auch überlegener Rekordhalter vor Ivica Vastic (4) und Herbert Prohaska (3). In einer ersten Reaktion gegenüber der APA meinte der Wiener: "Es freut mich sehr und hat für mich persönlich einen sehr hohen Stellenwert. Das ist eine große Auszeichnung, die mich stolz und auch dankbar macht, weil es eine riesige Ehre für mich ist. Es ist mir bewusst, dass es für mich ein besonderes Jahr war, und es macht mich glücklich, dass die harte Arbeit auch bei mir in der Heimat anerkannt wird."
Der 30-Jährige holte in seiner ersten Saison bei Real Madrid gleich vier Titel: Durch einen 1:0-Finalsieg im Stade de France gegen Liverpool gewann er die Champions League – und damit den begehrtesten Klubtitel der Welt bereits zum dritten Mal. Außerdem krönte sich Alaba mit den Königlichen 2022 auch zum europäischen Supercup-Sieger sowie zum spanischen Meister und Supercup-Champion – das alles als Stammspieler im Abwehrzentrum mit der Nummer vier.

Alaba hat in seiner bisherigen Karriere schon 31 Titel ergattert, die nächste Chance auf Pokale winken im spanischen Supercup im Jänner und bei der Fifa-Klub-WM im Februar.
Nicht nach Wunsch verlief hingegen Alabas Jahr mit der Nationalmannschaft. Im März wurde durch ein 1:2 im Play-off-Semifinale gegen Wales die Chance auf die WM-Teilnahme verspielt, es folgte der Teamchef-Wechsel von Franco Foda zu Ralf Rangnick. Danach wurde man trotz phasenweise gelungener Auftritte in einer Nations-League-Gruppe mit Frankreich, Kroatien und Dänemark Letzter und stieg aus der höchsten Klasse ab.

Der 100er kommt 2023

Zum Abschluss gab es immerhin ein 2:0 im Testmatch im Wiener Happel-Stadion gegen den regierenden Europameister Italien. Alaba versenkte dabei einen Freistoß zu seinem 15. Tor in seinem 98. ÖFB-Einsatz. Nur Arnautovic (106), Andreas Herzog (103) und Aleksandar Dragovic (100) haben derzeit noch mehr Länderspiele absolviert. Im Moment trainiert Alaba in Madrid gemeinsam mit jenen Klubkollegen, die nicht bei der WM im Einsatz waren. Das nächste Pflichtspiel mit Real steigt für Österreichs dreifachen Sportler des Jahres am 30. Dezember auswärts gegen Real Valladolid. Die Madrilenen liegen in La Liga nach 14 Runden als Tabellenzweiter zwei Punkte hinter dem FC Barcelona. Alaba kam in der laufenden Spielzeiten in allen 21 Bewerbspartien des Rekordmeisters zum Einsatz.

Für den Teamchef gibt es an der Kür Alabas heuer nichts zu rütteln: "David ist ein ganz bodenständiger Charakter, der trotz seines Karriereverlaufs der gleiche Mensch geblieben ist und die Bodenhaftung behalten hat. Er kommt zum Nationalteam und will bei jeder kleinen Trainingsübung gewinnen. Das ist schon beeindruckend", meinte Rangnick. Und ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel ergänzte: "Er ist ein Fußballer von absolutem Weltformat. Er ist sowohl bei Real Madrid als auch im Nationalteam ein Leader, der vorangeht und einen zentralen Stellenwert in der Mannschaft einnimmt. Der erneute Gewinn der Champions League hat sein Jahr gekrönt.

Übrigens wurde der ÖFB-Kapitän bei der Wahl elf von zwölf Mal als Nummer eins gesetzt – nur Austria Lustenaus Markus Mader votierte für Rapid-Profi Guido Burgstaller. Demgegenüber entschied sich auch Salzburg-Trainer Matthias Jaissle für Alaba, mit dem ihn gemeinsame Zeiten bei Hoffenheim verbinden. "Er spielt nach seinem Abschied von den Bayern auch beim nächsten europäischen Top-Klub eine hervorragende Rolle. Mit seiner Qualität hat er bei Real Madrid enorm viel zum Erringen der spanischen Meisterschaft und zum Champions-League-Titel beigetragen", sagte der Deutsche.
Für Alaba selbst ist das heurige Lob allerdings das Resultat harter Arbeit: "Jetzt sieht man nur die Erfolge, aber ich weiß ganz genau, was ich dafür getan habe. Es war alles andere als einfach, ich musste viel Arbeit und auch viel Mut reinstecken. Es gehört viel dazu, dass es so aussieht, wie es in diesem Jahr eben ausgesehen hat", meinte er.

EM 2024 als Etappenziel

Dass er schon wieder die WM verpasst hat – zum bereits vierten Mal in seiner Karriere – war freilich der negative Höhepunkt heuer: "Es hat Höhen und Tiefen gebeben. Es hat wehgetan, nicht bei der WM dabei zu sein, das schmerzt heute noch. Wir sind aber auch als Mannschaft gewachsen und haben uns weiterentwickelt." Kein Geheimnis ist, Verpasstes anno 2026 bei der Amerika-WM nachzuholen – zuvor soll aber die Teilnahme an der EM 2024 gelingen: "Ich möchte, dass wir mutig in die Quali gehen und einen hohen Anspruch an uns selbst stellen, weil ich weiß, dass wir es können."  (apa/may)