Buenos Aires. (man) "Niemand, wirklich niemand, wird diesen Tag jemals vergessen können." Die argentinische Tageszeitung "Clarín" mag zur Übertreibung neigen, tatsächlich ist am Sonntag im argentinischen Fußball aber Historisches passiert: Erstmals in der 110-jährigen Klubgeschichte ist Rekordmeister River Plate aus der obersten Liga abgestiegen.

Das 1:1 im Rückspiel der Relegation gegen Belgrano aus Córdoba bedeutet, dass sich der Klub aus Buenos Aires in der kommenden Saison erstmals in der Nacional B wiederfindet. Nach dem Spiel kam es zu schweren Ausschreitungen. Die Partie wurde in der 89. Minute abgebrochen, nachdem erste Steine auf das Spielfeld flogen, rund ums Stadion lieferten sich die Anhänger stundenlange Straßenschlachten mit der Polizei. Es gab 55 Verletzte und zahlreiche Festnahmen.

Schon das Hinspiel, das Belgrano 2:0 gewann, musste wegen eines Platzsturms für 20 Minuten unterbrochen werden. Der Staatsanwalt Gustavo Galante forderte schon im Vorhinein, das Rückspiel hinter verschlossenen Türen auszutragen. Schlussendlich sollen 60.000 Zuschauer im für 40.000 zugelassenen Estadio Monumental gewesen sein. Galante ließ das Stadion nun für eine Untersuchung schließen, in vier Wochen soll die von den Ausschreitungen ramponierte Arena das Finale der am Freitag beginnenden Südamerika-Meisterschaft beherbergen.

Das sind für den Traditionsverein aber nur die dringlichsten Probleme. Die Rot-Weißen haben Schulden in der Höhe von umgerechnet gut 48 Millionen Euro, mit den Fernseheinnahmen bricht dem Verein eine der wichtigsten Geldquellen weg. Statt 4,5 Millionen Euro gibt es in der zweiten Liga nur etwa 600.000 Euro an TV-Geldern. Nun muss der 33-fache Titelträger wohl seine größten verbliebenen Talente Erik Lamela und Ramiro Funes Mori verkaufen, die angepeilten sieben bis acht Millionen Euro für die beiden werden unter dem aktuellen Verkaufsdruck wohl nur schwer zu lukrieren sein.

Nur mehr wenige Talente

Rivers Spitzname "Los Millonarios" ist nur mehr ein Relikt aus der Vergangenheit, schon länger hat die ehemalige Talenteschmiede keinen Weltklassespieler mehr herausgebracht. Gonzalo Higuaín, mittlerweile bei Real Madrid, war der letzte. Er machte den steten Abstieg nicht mehr mit, nach seinem Abschied 2007 gab es 2008 den einzigen Titel in den vergangenen sieben Jahren. Dabei wird in Argentinien seit 1991 je ein Titel für Herbst- und Frühjahrsmeisterschaft vergeben. Trotz einer Niederlagenserie von neun Spielen war der Abstieg schließlich nicht das Produkt eines einmaligen Einbruchs. Zum Schutz der in der Regel konstanteren Traditionsklubs wird über den Abstieg mittels des Punkteschnitts der letzten drei Jahre entschieden. Da war River Plate zwar konstant, aber konstant schwach.