Das Herzstück des Mittelfelds ist Kapitän Javier Mascherano - "El Jefecito" genannt. Der Sechser wechselte erst vergangenen Winter zu Barcelona und bekam dort laut eigenen Angaben die Festplatte neu aufgesetzt. Fiel ihm bisher die Rolle des Abfangjägers zu, war fortan von ihm gefordert, als Teil eines präzisen Uhrwerks zu agieren. Das macht sich auch Batista zunutze. "Ich will ihn spielen sehen", bekräftigt sein Teamtrainer. Neben Mascherano sollen bevorzugt Inter Mailands Esteban Cambiasso und Valencias Ever Banega - beide spielten unter Maradona keine Rolle - für kreative Momente sorgen. Sie müssen dafür aus dem Zentrum nach außen rücken. Die Vorrunde der Copa América, in der für Argentinien Spiele gegen Bolivien, Kolumbien und Costa Rica anstehen, muss hier wohl als Eingewöhnungsphase herhalten.

Zugeschnitten auf Messi

Dass der Spielfluss bisher nicht ganz nach den Vorstellungen Batistas klappt, hängt jedoch nicht nur mit dem unorthodox besetzten Mittelfeld zusammen, sondern auch mit der Funktion der Außenverteidiger. Zwar hat er den ewigen Javier Zanetti aus der Versenkung geholt, in die ihn Maradona schickte. Dennoch haben Batistas Außenverteidiger eher defensive Aufgaben. Vorstöße über die Seiten, die zur Öffnung des Raums beitragen, gehören eher nicht zum Plan. Die Flanke ist im neuen argentinischen System oft verwaist. Messis zentrale Rolle zwingt allerdings auch andere gestandene Spieler, auf für sie ungewohnte Positionen auszuweichen: Milito, Higuaín oder Agüero - allesamt Mittelstürmer, die bei ihren europäischen Topklubs große Erfolge haben - mutieren in der Albiceleste Batistas zu Außenstürmern. Sie müssen von dort zuarbeiten.

Warten seit 18 Jahren

Batista versucht, damit einen groben Fehler seines Vorgängers zu korrigieren. Unter Maradona kam Messi noch die klassisch argentinische Rolle des Einfädlers zu. Als Spielmacher musste er sich häufig tief fallen lassen, um die Bälle zu holen und sie zu verteilen. Dadurch verlor er seine Explosivität auf den letzten 30 Metern vor dem gegnerischen Tor. Hier offenbart sich die große Neuerung der Spielanlage. Die drei zentralen Mittelfeldspieler und die beiden Außenstürmer haben den Auftrag, Messi zu bedienen. Das Umlegen der Schablone Barcelonas auf die Albiceleste birgt somit einige Risiken in sich, da viele Spieler außerhalb ihres natürlichen Umfelds am Platz eingesetzt werden. Alles nur, um Lionel Messi perfekt in Stellung zu bringen. Doch Batista will den Argentiniern endlich jenen Superstar auch im Nationalteam bieten, den sie bisher nur aus dem Fernsehen kennen.

Selbst wenn die Copa América nur ein Testlauf für die Weltmeisterschaft 2014 ist: Im Falle des Nicht-Titelgewinns würde Sergio Batista wohl heftiger Gegenwind entgegenwehen. Sowohl der Trainer als auch sein Superstar wissen um die Verpflichtung, endlich wieder einen Titel mit der Albiceleste zu holen. "Wir sind dazu verpflichtet, die Copa zu gewinnen, weil sie im eigenen Land stattfindet. Wenn wir scheitern, ist das jedoch keine Tragödie. Denn in Wahrheit wissen wir alle, dass die Selección viel dringlicher endlich wieder eine Weltmeisterschaft gewinnen muss", relativierte Batista vor wenigen Tagen im Trainingslager. Messi fügte dem hinzu: "Ich weiß, dass ich hier nicht unumstritten bin. Es ist in der Selección bisher nicht nach Wunsch gelaufen. Die Copa América ist deshalb mein primäres Ziel." Aus 1993 datiert der letzte Titelgewinn Argentiniens. Óscar Ruggeri, ebenfalls ein 86er-Weltmeister, stemmte damals den Pokal der Copa América. Javier Mascherano soll es ihm nun nachmachen. Dass die Aufgabe nicht leicht sein wird, verdeutlichen die guten Leistungen von Uruguay, Chile und Paraguay bei der letzten Weltmeisterschaft. Und schließlich gibt es auch noch den ewigen Rivalen Brasilien, dem man in den letzten beiden Finalspielen 2003 und 2007 unterlegen war.