Während das eingeklatschte "Tempo" aber von den Rängen anderer Plätze verschwand, entwickelte es sich auf der Pfarrwiese, der Heimstätte des SK Rapid von 1912 bis 1978, zum kontinuierlichen, identitätsstärkenden Ritual. Wieder waren dafür einige markante, in der Schlussphase errungene Siege maßgeblich, etwa jenes 7:5 nach 3:5-Rückstand gegen den WAC am 10. April 1921, als Sturmtank Josef Uridil alle Tore des SCR schoss, davon vier in einer verlängerten Rapid-Viertelstunde. In den frühen 1930er-Jahren, als den Massen Arbeitsloser ein Sportplatzbesuch oft unleistbarer Luxus war, bürgerte es sich ein, dass zur Rapid-Viertelstunde die Tore der Pfarrwiese geöffnet wurden. Zahlreiche Wartende drängten gratis auf den Platz und stimmten in die Rapid-Viertelstunde ein, was den Geräuschpegel noch einmal erhöhte.

Entscheidende Hilfe

Auch die Spieler empfanden die Klatschrhythmen bald als unentbehrliche Hilfe, wenn es darum ging, ein Spiel zu drehen. Stürmer Georg Schors berichtet in der Festschrift von 1939 Entsprechendes vom Endspiel um den ersten "Tschammer"-Pokal, der am 8. Jänner 1939 zwischen Rapid und dem FSV Frankfurt im Berliner Olympiastadion ausgespielt wurde: "Frankfurt führte bis eine knappe Viertelstunde vor Schluss mit 1:0, obwohl wir ununterbrochen angriffen. Da ertönten auf einmal aus dem Zuschauerraum die bekannten Klatschtakte vor der Rapid-Viertelstunde. Es kam mir vor, als erklinge fern von der Heimat plötzlich ein Heimatlied. Einen Moment stutzten wir, und dann gings mit vollem Krafteinsatz los, um diesen Pokal nach Hause zu bringen." Schors selbst erzielte den Ausgleich (80.), ehe Hofstätter (85.) und Binder (88.) den "großdeutschen" Pokalsieg fixierten. Rapid feierte damit einen ersten sportlichen, wenn auch durch die Zeitumstände bis heute umstrittenen Triumph.

Zeitzeugen wie der Rapid-Leichtathlet und spätere Ordnerobmann Franz Muschik oder Alfred Körner, Flügelstürmer in der großen Mannschaft der 1950er, berichten noch heute einstimmig, dass die Rapid-Viertelstunde eben im "Tempo"-Rhythmus eingeklatscht wurde. Die Entwicklungen in der Fankultur seit den 1960ern brachten auch eine kreative Veränderung des Einklatschens mit sich. Zunächst wurde es eintaktig und gleichmäßig, "im Tempo irgendwo zwischen einem Andante maestoso und schnellstens einem Allegro moderato", wie es der Kulturwissenschafter Roman Horak beschreibt. Heute wird der Takt beschleunigt geklatscht und in jüngster Zeit verhalfen die im Hanappi-Stadion stimmungsbildenden "Ultras Rapid" sogar dem alten "Tempo"-Rhythmus zu seiner Renaissance. Er wird nun dem Einklatschritual als Anfeuerungsruf "Hopp-auf Hütteldorf" angehängt.

Domenico Jacono (geboren 1967) ist Kurator des Rapidmuseums, Antiquar, freischaffender Autor, Literaturübersetzer und Publizist mit dem Schwerpunkt Fußballgeschichte.