Romina Bell hat ein Fußballtrikot über ihrem Bett hängen. Mit 17 Jahren ist sie schon Nationalspielerin. "Unser Star", sagt die Direktorin des Internats. Foto: Rosner
Romina Bell hat ein Fußballtrikot über ihrem Bett hängen. Mit 17 Jahren ist sie schon Nationalspielerin. "Unser Star", sagt die Direktorin des Internats. Foto: Rosner

Und drinnen, im Speisesaal des Internats, das schon seit eineinhalb Jahren in Verwendung ist, sitzen rund 200 Schülerinnen und hören den Ausführungen von Willi Ruttensteiner zu, dem Technischen Direktor des Fußballverbandes. Leidenschaftlich erzählt er am Tag der offenen Tür von einem Projekt, dessen Verwirklichung acht Jahre gedauert hat. Er spricht vom Nationalen Zentrum für Frauenfußball, das im Herbst in St. Pölten seinen Betrieb aufnehmen wird.

Und mit ein bisschen Fantasie und Optimismus sieht man in den 14-Jährigen, die teilweise mit ihren Eltern gekommen sind, und die am 7. März um die Aufnahme in das Leistungszentrum vorspielen werden, die nächsten Nationalspielerinnen. So wie die 17-jährige Romina Bell, die beim SV Neulengbach spielt und bereits im St. Pöltner Internat wohnt und die noch in Containern notdürftig untergebrachte Schule besucht. "Unser Star", sagt die Direktorin.

Einzige Chance?

Das Interesse am Frauenfußballzentrum ist groß. Aus Vorarlberg kamen zwei Busse mit Nachwuchsspielerinnen, einige von ihnen spielen in der Landesauswahl. Und sie wissen: Wenn sie es nicht ins Leistungszentrum schaffen, wird es schwer für sie, überhaupt irgendwie weiterzuspielen, geschweige denn auf professionellem Niveau.

Denn nur bis zum 14. Lebensjahr können die Mädchen bei den Burschen mitspielen. Doch für danach gibt es keine Akademien für Mädchen und in vielen Regionen keine Mannschaften. Der Verband hofft nun, die großen Talente nicht mehr zu verlieren. Auch wenn es für die eine oder andere bedeutet, ans andere Ende Österreichs zu ziehen. Ein Vater sagt: "Wenn die Tochter das wirklich will, dann wird es auch gehen." Und dann fügt er noch hinzu: "Natürlich wäre man auch als Vater stolz, wenn sie es dann tatsächlich ins Nationalteam schafft." So wie Romina Bell, der Star der Schule.

"Bis zum Erwachsenenfußball haben wir ein Loch, in der Breite genauso wie bei den echten Talenten", gesteht auch Ruttensteiner. An der Breite arbeitet der ÖFB schon seit geraumer Zeit. Die Anzahl der Frauenteams ist in Österreich seit 2003 von 63 auf 350 gestiegen, mit dem Nationalen Zentrum hofft der ÖFB, auch das Loch bei den Talenten schließen zu können.

Im ersten Jahr werden in den beiden Schulzweigen (Handelsschule, Oberstufenrealgymnasium) insgesamt rund 15 Schülerinnen aufgenommen. In vier Jahren sollen dann 50 Spielerinnen in allen Schulstufen im Nationalen Zentrum ausgebildet werden, zweimal täglich trainieren und sich sukzessive zu Nationalspielerinnen entwickeln. Das ist das Ziel des Verbandes.

Warten auf den Bagger

Im Internat wohnen insgesamt 192 junge Athleten und Athletinnen aus verschiedenen Sportarten. Die Vielfalt sei für alle bereichernd, erklärt Manfred Kurz, der Direktor des Internats. Auch er wartet schon darauf, dass endlich die Bagger kommen. "Einmal war schon einer da, aber der hat nur Bodenproben genommen", erzählt er.

Beschlossen ist der Bau des Stadions und der Schule schon längst. Aber wie in der Bildungsdebatte geht es auch in St. Pölten zwischen Bund und Land hin und her, und irgendwie vergessen alle dabei, dass es einmal wirklich losgehen muss mit dem Bauen. Bis dahin muss man sich halt noch mit Fantasie behelfen.

Anmeldungen für die Aufnahmetests bis 3. März direkt beim ÖFB.