La Plata. (dd) Der Titel ist wieder in greifbare Nähe gerückt. Nach schwachem Start hat sich Topfavorit Brasilien bei der Copa América in Argentinien erfangen und mit einem klaren 4:2-Erfolg gegen Ecuador doch noch den Einzug ins Viertelfinale geschafft. In diesem misst sich die Seleção am Sonntagabend in La Plata mit dem gefährlichen Außenseiter Paraguay. Gewinnen die Brasilianer diese Partie, könnten sie im Semifinale auf den formstarken Geheimfavoriten Chile treffen.

Bisher hat sich der fünffache Weltmeister bei der heurigen Copa nicht gerade mit Ruhm bekleckert. In der eigentlich leichten Gruppe mit Venezuela, Paraguay und Ecuador reichte es nur zu einem Sieg und zwei enttäuschenden Remis. Nur aufgrund der besseren Tordifferenz holte man sich den Gruppensieg. Das Auftaktspiel gegen Underdog Venezuela endete mit einer schwachen Nullnummer, in der der vierfache Copa-Sieger behäbig und ideenlos spielte und in der Offensive enttäuschte. Der nächste Auftritt mit einem 2:2 gegen Paraguay war kaum besser, es traten erneut die selben Schwächen wie beim Auftaktmatch auf. Der Punktgewinn gegen kompakt stehende Paraguayer war sogar glücklich, denn erst in der Schlussminute gelang Fluminense-Stürmer Fred der Ausgleich. Erst im letzten und entscheidenden Gruppenspiel gegen Ecuador konnte die Selecao überzeugen und gewann durch Doppelpacks von AC-Milan-Star Pato und Rohdiamant Neymar von Santos souverän.

Altstars bedeutungslos

Erstmals funktionierte auch das Flügelspiel durch konsequent aufrückende Außenverteidiger, das Mittelfeld stand kompakt, und die Spitzen rochierten konstant und wirbelten so die ecuadorianische Abwehr durcheinander. Einzig die häufigen Schnitzer in der Abwehr und die Fehleranfälligkeit von Inter-Mailand-Torhüter Julio César sollten Brasilien-Coach Mano Menezes zu denken geben. Vor allem dann, wenn im Semifinale die offensivstarken Chilenen um Udinese-Star Alexis Sánchez warten könnten.

Dass bei der Copa bei Brasilien nicht alles von Anfang an funktionieren würde, hätte sich Coach Menezes denken können. Schließlich steht gegenüber der enttäuschenden WM 2010 in Südafrika, wo unter Ex-Trainer Carlos Dunga im Viertelfinale gegen die Niederlande das Aus kam, eine spürbar verjüngte Mannschaft auf dem Feld. Routiniers und Altstars wie Ronaldinho von Flamengo, Kaká von Real Madrid oder Adriano von Corinthians spielen bei Menezes keine Rolle, an ihrer Stelle sollen Neymar, Pato oder Ganso von Santos für Erfolge sorgen. Nur noch wenige Routiniers sind im Kader geblieben, mit den Inter-Spielern Lúcio oder Maicon sind es vorwiegend Defensivakteure, die die aufstrebenden Jungstars führen sollen.

Doch Menezes hat nicht nur eine Verjüngung beim Rekordweltmeister eingeleitet, sondern lässt im Vergleich zu seinem Vorgänger Dunga wesentlich offensiver spielen. Unter Dunga, der in Brasilien "el alemão", der Deutsche, genannt wird, wurde viel Wert auf kontrollierten, effizienten und ergebnisorientierten Fußball gesetzt. Zum Leidwesen der offensivverrückten Anhänger der Seleção trat dabei das traditionell sehr ausgeprägte Angriffsspiel in den Hintergrund. So war es wenig verwunderlich, dass die Fans Dunga nicht nachweinten. Das System von Menezes, der sein Team in einem offensiven 4-2-3-1 mit weit aufrückenden Außenverteidigern spielen lässt, gefällt den Fans weit besser. Hinter der Solospitze Pato agieren die Offensivkräfte Neymar, Ganso und AC Mailands Robinho, zwei zentrale Mittelfeldspieler sichern hinten ab. Bisher funktionierte das Zusammenspiel im Angriff aber nur gegen Ecuador, in den vorherigen Spielen waren die Außenverteidiger nicht nach vorne orientiert - so konnte Brasilien sein Flügelspiel mit Maicon und Co. nicht aufziehen. Gegen Paraguay und Chile wird dies aber notwendig sein, um die Abwehrreihen dieser Teams zu knacken.

Verläuft die Copa für Brasilien nach Plan, würde im Finale zum bereits dritten Mal in Folge Gastgeber Argentinien warten. Den Titel im Land des Erzrivalen zu holen, wäre der Seleção ein besonderes Anliegen.