Linz.

Packende Duelle der Lokalrivalen vor vollen Rängen. Das hat Linz bis Montagabend schon länger nicht mehr gesehen. - © Agentur Diener
Packende Duelle der Lokalrivalen vor vollen Rängen. Das hat Linz bis Montagabend schon länger nicht mehr gesehen. - © Agentur Diener
"Super, unglaublich", war es für Blau-Weiß-Linz-Kapitän Konstantin Wawra. Linz hat nach 14 Jahren Pause wieder ein Fußball-Derby, und die Stadt freut sich darüber. Für Wawra ging gar ein "Kindheitstraum in Erfüllung". Der Bundesliga-Abstieg des Lask und der etwas überraschende Aufstieg des inoffiziellen Vöest-Linz-Nachfolgers Blau Weiß bescherte Oberösterreichs Landeshauptstadt in der dritten Runde der Ersten Liga das erste Stadtduell in der Meisterschaft seit Mai 1997.

Das Stadion auf der Gugl war am Montag bereits zu Mittag ausverkauft, aufgrund von Bauarbeiten konnten nur 11.432 Zuschauer ins Stadion, laut Gastgeber Blau Weiß hätten noch einmal 3000 Karten verkauft werden können. Das Spiel wäre das bestbesuchte in Österreich rund um das Bundesliga-Auftaktwochenende gewesen.

Die Partie endete schließlich mit einem 1:1-Unentschieden, mit dem fast alle zufrieden waren. Schon tagsüber war die Vorfreude in der Stadt spürbar. Jenes Mädchen, das sich am Bahnhof über "lauter Scheiß-Blau-Weiße" beschwerte und ihren Ärger mit einem herzhaften "Wäääh" unterstrich, fand sich in einer Minderheit wieder. Die Anreise der unterschiedlichen Anhängergruppen verlief ruhig, der Einsatzleiter der Polizei, Erwin Fuchs, freute sich ebenfalls über die stimmungsvolle Atmosphäre und das zurückgekehrte Derby. Sein Wunsch - "ein Unentschieden wäre nicht schlecht" - ging schließlich in Erfüllung, auch nach dem Match blieb es abgesehen von kleineren Reibereien rund ums Stadion ruhig.

Turbulente Geschichte


Dabei gäbe es genug Konfliktpotenzial. Dass Linz sein Derby vorübergehend verloren hatte, ist nicht den Unwägbarkeiten des Liga-Alltags geschuldet. Nach der Saison 1996/97 wurde der FC Linz als Nachfolgeverein von Vöest Linz, dem ehemaligen Werksverein der Linzer Vöest-Werke, aus wirtschaftlichen Gründen mit dem Lask fusioniert. Vom blau-weißen FC blieb außer ein paar Spielern im neuen Verein nichts übrig, es kam zu heftigen Protesten der FC-Linz-Fans. Einige Unternehmer und Blau-Weiß-Sympathisanten wollten den Klub am Leben erhalten.

Sie gründeten den FC Blau Weiß Linz, jenen Klub, der nun in die Erste Liga aufstieg, und übernahmen den Startplatz von Austria Tabak Linz, das ebenfalls finanzielle Probleme hatte, in der oberösterreichischen Landesliga. Schon sechs Jahre später scheiterte der erste Rückkehrversuch in den Profifußball, die Relegation gegen Bad Bleiberg ging auf kuriose Weise denkbar knapp aufgrund der Auswärtstorregel verloren.

Das versetzte dem Verein einen herben Schlag, nach einem neuerlichen Abstecher in die Oberösterreich-Liga gelang in der vergangenen Saison mit dem Vizemeistertitel in der Regionalliga Mitte - pikanterweise hinter den Amateuren des Lask, die kein Aufstiegsrecht haben - die neuerliche Qualifikation für die Relegation. Diesmal gelang der Aufstieg gegen Wattens erst im Elfmeterschießen. So fand sich der Verein wenige Wochen nach dem letzten Regionalligaspiel in seinem - rein rechtlich - ersten Meisterschaftsduell mit Lokalrivalen Lask wieder. Denn juristisch hat der Klub mit seinem blau-weißen Vorgängerverein Vöest Linz nichts zu tun.

Die Fanbasis wechselte aber praktisch geschlossen zum neuen Verein über, die Anhänger sehen eine klare Verbindung zum alten blau-weißen Klub. Das emotionale Erbe ist weitgehend akzeptiert, so hat sich etwa Publikumsliebling und Blau-Weiß-Torhüter David Wimleitner nach dem Aufstieg das alte SK-Vöest-Logo auf den Oberarm tätowieren lassen.

Auch auf Seiten des Lask sind die neu gewonnenen Derbys zumindest ein positiver Nebeneffekt des Abstiegs. "Die Stimmung war von beiden Seiten super", sagte René Aufhauser, "so macht Fußball Spaß, ich freue mich schon auf die nächsten drei Derbys." Einzig die Lask-Fans wissen noch nicht ganz, wie sie mit dem neuen, alten Rivalen umgehen sollen. Neben Hassgesängen gegen den "SKV" skandierten sie im Derby auch, "der SKV is goa ned do". Dass die beiden Vereine eine Bereicherung für die Erste Liga sind, haben sie mit dem ersten Derby bewiesen. Trotz der neu entdeckten Abneigung sprach Blau-Weiß-Kapitän Wawra mit seinem Fazit praktisch einer ganzen Stadt aus der Seele: "Linz tut es gut, dass es wieder ein Derby gibt."