Buenos Aires. (dd) Diego Forlán strahlte nach dem Schlusspfiff über das ganze Gesicht. Der uruguayische Fußballer hatte beim Finale der Copa América in Buenos Aires am Sonntagabend mit zwei Toren großen Anteil am 3:0-Finalerfolg über Paraguay gehabt. Er verhalf "La Celeste", wie die Uruguayer genannt werden, zum 15. Triumph bei einer Copa. Damit sind sie alleiniger Rekordmeister vor Argentinien.

Dieser Sieg war für den Stürmer eine Familienpflicht, hatten doch sein Großvater als Teamchef 1959 und 1967 und sein Vater 1967 als Spieler die Copa geholt. "Drei Generationen bei diesem Turnier, das gibt es nicht jeden Tag", sagte er stolz. Dieses Kuriosum ist nicht das einzig Bemerkenswerte an Fórlan, bei dem eine Tragödie als Auslöser für seine Fußballerkarriere fungierte. Seine Schwester ist seit einem schweren Autounfall gelähmt und sitzt seit damals im Rollstuhl. Fórlan, schockiert und verzweifelt, beschloss daraufhin Fußballer zu werden, um Geld zu verdienen und seiner Schwester zu helfen. Er gründete 2009 auch die Stiftung "Alejandra Fórlan", die für mehr Sicherheit im Straßenverkehr eintritt. Fórlan spendet einen Teil seines Gehalts der Stiftung und ist stolz auf seine Schwester. "Sie ist ein Beispiel dafür, wie man ein schweres Schicksal überwinden kann", sagt er.

Seine Fußballerkarriere war nicht immer von Glück verfolgt. Mit 22 wechselte er zu Manchester United, wo er sich nicht durchsetzen konnte. "Ich war dabei, als Fórlan ein Tor schoss", spotteten die Fans ob seiner fehlenden Treffsicherheit. 2004 ging der Stürmer zu Villarreal, wo er für Furore sorgte und 59 Tore in 128 Spielen erzielte. Drei Jahre später erfolgte der Wechsel zu Atlético Madrid, das er im Mai 2010 zum Europa-League-Triumph schoss. Im Sommer spielte er in Südafrika die WM seines Lebens und führte als Topscorer "La Celeste" auf den vierten Platz.

Die Saison 2010/11 war für Fórlan bis zum Copa-Titel ein Seuchenjahr gewesen. Der Stürmer fiel in ein Formtief und erzielte nur acht Tore im Atlético-Dress, sein persönlicher Negativrekord. Folglich fand sich Fórlan auf der Bank wieder, sein Abgang schien fix. Doch Fórlan spielte eine starke Copa und möchte bei Atlético wieder angreifen.

Klug und bescheiden

Diego Fórlan ist kein typischer Fußballprofi. Er hat Wirtschaft studiert, spricht vier Sprachen und ist bescheiden geblieben. Ferraris sind ihm fremd, er fährt lieber Peugeot. Am Platz zeichnen den Stürmer Kampfgeist, harte Arbeit und filigrane Technik aus. Der Teamplayer wird von seinen Fans nach der argentinischen Zeichentrickhexe "Cachavacha" benannt, weil er wie ein Comicheld das Rezept für den Tor-Zaubertrank hat. Dieses hatte er gegen Paraguay erneut parat, als er sein Land zum Titel führte.