Cartagena. (man) "Als Österreicher ist man nicht jeden Tag bei einer WM", sagt Aleksandar Dragovic. Dieses Gefühl wird der Basel-Legionär vorerst auch nicht kennenlernen. Wie David Alaba (Bayern München) erhielt er von seinem Klub keine Freigabe für die U20-WM, Österreich bestreitet das Turnier ohne Spieler mit A-Team-Erfahrung.

Wie der Großteil der WM-Teilnehmer muss Österreich auf einige Spieler verzichten, für Nachwuchsturniere gibt es keine Abstellungspflicht durch den Weltverband. Das Trainerteam ist aber auch ohne diese Verstärkungen voll des Lobes für den Kader. "Ich kann auf jeden meiner 21 Spieler voll vertrauen", sagt Teamchef Andreas Heraf. Das Ziel ist klar: Österreich will die Gruppenphase, in der man auf Panama, Brasilien und Ägypten trifft, überstehen. Dazu muss die Mannschaft Erster, Zweiter oder einer der vier besten Dritten in der Gruppe werden. Heraf sieht aber weniger die Gegner als die äußeren Bedingungen als den größten Gegner: "Wir müssen uns so schnell wie möglich an dieses Klima gewöhnen." In Cartagena und Barranquilla, wo die Gruppenspiele ausgetragen werden, erwartet das Team große Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit.

Dazu kamen in den letzten Tagen der Vorbereitung in Kolumbien trotz eines eigens mitgebrachten Kochs Probleme mit der Ernährung. Laut Heraf hat praktisch der gesamte ÖFB-Tross mit Magen-Darm-Problemen zu kämpfen, was an die Substanz gehe. So sind aus diesem Grund drei Spieler für die Auftaktpartie in der Nacht auf Samstag (0.30 Uhr MESZ/live ORFeins) fraglich, der etatmäßige Mittelstürmer Marco Djuricin von Hertha BSC Berlin fällt mit Oberschenkelproblemen fix aus.

"Wegen dieser Probleme habe ich sogar kurz überlegt, ein anderes System zu spielen", sagt Heraf. Diese Idee hat der 43-Jährige aber wieder verworfen, wie schon bei der EM vor einem Jahr, bei der sich Österreich mit Platz drei in einer Gruppe mit England, Frankreich und den Niederlanden für die WM qualifizierte, wird das Team im 4-3-3 spielen. "Vielleicht ist es nicht das beste System, aber auf jeden Fall das attraktivste", erklärt Heraf, "wir wollen hinten kompakt, aber auch vorne gefährlich sein. Die Tendenz ist, dass wir viel mit Kurzpass agieren und eher durch die Mitte kommen." Wer schon einmal bei einer WM ist, will natürlich auch glänzen.