Cartagena. (sir/apa) Wenn die Erwartungen hoch sind, schmerzt ein Scheitern umso mehr. "Ich bin derzeit völlig leer", sagte Andreas Heraf, Österreichs U20Teamchef, nach dem 0:4 gegen Ägypten. Drei Spiele, null Punkte, kein einziger Treffer, sieben Gegentore: Die Bilanz der WM ist verheerend, auch wenn die erste Partie gegen Panama nicht schlecht war.

Doch die Deutlichkeit des Ausscheidens offenbarte, dass wohl die Erwartungen zu hoch gegriffen waren, die erfolgreiche WM 2007 (Platz vier) eben doch eine Ausnahme war und als Maßstab nicht taugte. Ägypten und Brasilien waren in allen Belangen überlegen, "technisch, konditionell und taktisch", sagte Sportdirektor Willi Ruttensteiner.

Heraf probierte in Kolumbien viel aus, stellte von Spiel zu Spiel um, personell wie taktisch. Möglich, dass das zu viel war. "Wir haben in jedem Spiel ein anderes System gesucht, aber es ist sich nicht ausgegangen", sagte Ruttensteiner.

Doch ausgeschieden ist Österreich in erster Linie wegen der Chancenauswertung im ersten Spiel. Mit drei Punkten gegen Panama wäre vermutlich bereits das Achtelfinale drin gewesen, zudem hätte man gegen Brasilien und Ägypten anders agieren können. "Aber wenn man gesehen hat, wie chancenlos wir gegen Brasilien und Ägypten waren, hätten wir das Achtelfinale sowieso nicht verdient", erklärte Kapitän Michael Schimpelsberger.

Viele Krankheiten


Und das ist der andere Aspekt dieser U20-WM. Die Resultate sind das eine, und sie sind immer auch durch Zufall mitbestimmt. Wie eben gegen Panama. Die Unterlegenheit gegen Brasilien und Ägypten war jedoch derart eklatant, dass auch die Hättiwaris diesmal schweigen müssen. Selbst wenn Spieler wie David Alaba und Aleksandar Dragovic mitgefahren wären und sich Marco Djuricin nicht verletzt hätte, wäre der Klassenunterschied nicht viel kleiner gewesen. "Auch mit allen Spielern wäre es sehr schwer geworden", sagte Ruttensteiner. Ein gezeichneter Andreas Heraf stellte nach dem Aus klar: "Am Ende ist es eine Frage der Qualität. Zusammen mit der Hitze und den Erkrankungen hatten wir keine Chance."

Auch gegen Ägypten hatte der Teamchef zwei Spieler (Teigl, Stöger) wegen Krankheiten vorgeben müssen. "Jeder ist krank geworden, wir waren das Klima einfach nicht gewohnt. Ich hätte mir nicht gedacht, dass das so gravierend ist", sagte Schimpelsberger, dessen Erwartungen an die WM auch ganz andere gewesen waren: "Jetzt muss jeder in sich gehen und an seinen Schwächen arbeiten. Da hat jeder viel zu tun."

Auch der ÖFB muss den individuellen Klassenunterschied bei der WM aufarbeiten. Vom Tempo, der Präzision der Pässe, der Technik und auch der Beweglichkeit waren die Österreich zu weit vom Niveau der Ägypter und Brasilianer entfernt. Dass es wie aus dem 2007er-Team sechs Spieler ins A-Team schaffen, scheint nicht wirklich realistisch. Allerdings sind Alaba und Dragovic bereits fixer Bestandteil des A-Teams.