Graz. Da war er wieder, der Konjunktiv, welchen Sportler ja so gerne bemühen, wenn etwas daneben gegangen ist. "Wenn Roman dabei gewesen wäre", sagte also Imre Szabics, "hätten wir es vielleicht geschafft". Aber Roman Kienast war nicht dabei, er erlebte das 0:2 seiner Mannschaft im Rückspiel gegen den weißrussischen Meister Bate Borisow, das Sturm Graz nach dem 1:1 im Hinspiel die Teilnahme an der Champions-League-Gruppenphase verwehrte, wegen eines gebrochenen Mittelfußknochens nur als Zuschauer.

Freilich war nicht zu übersehen, dass ein durchschlagskräftiger Stürmer den Grazern gut getan hätte. "Aber es bringt nichts, sich darauf auszureden", sagte Trainer Franco Foda. "Uns hat einfach zu viel gefehlt." Die mangelnde Chancenauswertung, die auch Andreas Hölzl beklagte ("Wenn man keine Tore macht, hat man es nicht verdient, in der Champions League zu spielen"), war da nur ein Punkt von mehreren. "Uns haben auch die individuelle Klasse und die mentale Stärke gefehlt", meinte Foda, der sich alle Mühe gab, nicht in Frust zu verfallen. "Es ist schade, dass wir eine Riesenmöglichkeit nicht genützt haben. Aber ich bin deswegen nicht enttäuscht. Die Europa League ist auch etwas", sagte der Trainer, der als Spieler in drei Saisonen bei den Grazern eine Klasse höher dabei gewesen ist.

"Unheimlich bitter"

Nun bleibt eben die Europa-League-Gruppenphase, für die die Verlierer der Play-offs automatisch qualifiziert sind. Nicht alle Spieler sehen der Auslosung am Freitag (13 Uhr) ähnlich positiv entgegen wie der Coach selbst. "Wenn uns das vorher wer gesagt hätte, hätten wir es gerne genommen. Aber jetzt ist es unheimlich bitter", erklärte Hölzl, und Sturm-Rückkehrer Jürgen Säumel gab ihm recht. "Die Europa League ist zwar auch eine Leistung, aber wenn man so knapp an der Champions League dran war, überwiegt die Enttäuschung. Momentan spüre ich einfach nur Leere." Für Tormann Christian Gratzei ist Europas zweite Liga "ein kleiner Trostpreis", wie er sagt.

Und einer, der auch finanzielle Auswirkungen hat. Statt 7,2 Millionen Euro für die Champions League haben die Grazer nun 3,1 Millionen fix - 2,1 fürs Play-off und eine Million Startgeld in der Europa-League-Gruppenphase. Angesichts dessen erscheint auch fraglich, ob sich die Grazer noch einen Angreifer als Ersatz für den länger ausfallenden Kienast leisten werden.

Dennoch will der Trainer der Niederlage nicht allzu lange nachtrauern. Bate sei ein würdiger Champions-Ligist, "sie haben drei, vier Spieler, die jede Mannschaft in Österreich verstärken würden", sagt er. Und außerdem: "Man muss sich ohnehin fragen, ob wir schon weit genug gewesen wären, in der Champions-League-Gruppenphase zu spielen." Wieder so ein Konjunktiv.