Wien. Vermutlich wollte Willi Ruttensteiner, der in den abschließenden beiden Partien der EM-Qualifikation gegen Aserbaidschan und Kasachstan den Interimsteamchef geben wird, nur nett sein. Denn er hat folgenden Satz getätigt: "Mir liegt es am Herzen, zu sagen, dass ich auf dem aufbaue, was Didi Constantini aufgebaut hat."

Was Ruttensteiner nicht gesagt hat: "Ich werde das reparieren, was in den letzten zwei Jahren zerstört wurde." Doch genau auf das laufen die ersten Amtshandlungen des Technischen Direktors des ÖFB hinaus. Die da wären: Andi Ivanschitz ist wieder Teamspieler, Roger Spry kommt als zusätzlicher Betreuer zur Nationalmannschaft, der Konflikt mit Martin Stranzl wurde ausgeräumt, der Kommunikation wird ein großer Stellenwert eingeräumt, und U21-Teamchef Andi Herzog erhält Christopher Dibon und Daniel Royer, die im A-Team vermutlich nur auf der Bank gesessen wären.

Und noch etwas ist unter Ruttensteiner signifikant anders. Bei Pressekonferenzen gibt es auf Fragen richtige Antworten, überlegte Erklärungen und klare Ansagen, kein in vermeintlich markige Sprüche gekleidetes Larifari.

Ruttensteiner hat nicht viel Zeit, ein paar Tage in der kommenden Woche, ehe es nach Aserbaidschan (7. Oktober) und Kasachstan geht (11. Oktober). Damit endet dann aber schon sein Interregnum. Möglich, dass bereits in der kommenden Woche eine Entscheidung über den neuen Teamchef fallen wird, unwahrscheinlich jedoch, dass dieser so kurzfristig die Partien in Baku und Astana bestreiten wird.

Spry wieder dabei

In den zwei abschließenden Spielen in Gruppe A gibt es für Österreich keine Qualifikationschance mehr für die Euro 2012, dennoch sind es wichtige Wochen, die dem ÖFB ins Haus stehen, denn es geht auch um eine neue Kultur der Betreuung, die in der Nationalmannschaft verankert werden soll. Ruttensteiner nennt es "Strukturoptimierung". Spry, der von Constantini nicht akzeptiert wurde, kommt als zusätzlicher Betreuer, auch ein zweiter Zeugwart wird die Reise mitmachen. "Eine Individualisierung der Betreuung ist notwendig", sagt Ruttensteiner, "gerade in ersten beiden Tagen". Denn die Spieler kommen mit kleinen Wehwehchen, einige haben am Samstag ihre Meisterschaftsspiele absolviert, andere am Sonntag oder gar Montag. Deshalb müsse spezifisch mit ihnen gearbeitet werden.

Doch auch abseits des Spielfeldes will Ruttensteiner mit der Mannschaft gezielt arbeiten, in dem er etwa die Kommunikation innerhalb des Teams verbessern will. "Wir werden organisieren, dass die Spieler nach dem Essen nicht gleich aufs Zimmer gehen", sagt Ruttensteiner. Nichts soll dem Zufall überlassen werden.

Hosiner vor Debüt

Er sagt aber auch: "Das sind nur Mosaiksteine, auch bei der U20-WM haben wir alles optimiert und waren nicht erfolgreich." Doch mit diesem Philosophiewandel ist immerhin gewährleistet, dass sich die Spieler gut aufgehoben fühlen und keinen Kulturschock erleiden im Vergleich zur Betreuung bei ihren Klubs in Deutschland oder England.

Personell hat Ruttensteiner in seinem Kader nicht sehr viel verändert, Christopher Trimmel kehrt nach guten Leistungen bei Rapid zurück, erstmals ist Admiras Stürmer Philipp Hosiner anstelle von Erwin Hoffer dabei, der zuletzt kaum zum Zug kam. Doch im Fokus steht freilich die Rückkehr von Andi Ivanschitz nach einer Pause von mehr als zweieinhalb Jahren. "Die lange Phase der Abwesenheit, die alles andere als leicht war, ist vorbei", sagt der Mainz-Legionär.