Bad Tatzmannsdorf. Wäre Bad Tatzmannsdorf nicht ein eher verschlafenes Städtchen im südlichen Burgenland, sondern würde, quasi als Tatzmenstown, irgendwo in den Weiten der USA liegen, die Rückkehr von Andreas Ivanschitz ins österreichische Nationalteam wäre ganz anders inszeniert worden. Dort, wo der Unterhaltungswert alles schlägt, hätten sie ihm, dem ehemaligen Kapitän, einen rot-weiß-roten Teppich ausgerollt, hätte der Präsident, und sei es nur der Verbandpräsident, ein paar Worte gesprochen und hätten Videoeinspielungen an seine besten Tore erinnert.

Doch Andreas Ivanschitz öffnete auf dem Weg zu seiner ersten Pressekonferenz im Nationalteam seit mehr als zweieinhalb Jahren eigenhändig die Türe, es ertönten weder Fanfaren, noch Applaus. Und Leo Windtner, der ÖFB-Chef, war auch nicht zugegen. Der musste letzte Details mit dem neuen Teamchef klären, der am Dienstag präsentiert wird.

Doch eine spezielle Inszenierung von Ivanschitz Rückkehr wäre auch das völlig falsche Signal. Es soll kein großspuriges Comeback des Kapitäns sein, des langjährigen Hoffnungsträgers. Ivanschitz ist einfach wieder da. Er ist ein Teamspieler, wie es zahlreiche andere auch sind. "Ich bin einfach froh, wieder da zu sein", sagt er.

Doch es wird nicht mehr so sein, wie es war. Dafür war die Pause von zweieinhalb Jahren zu lange. Dafür ist zu viel passiert. Das weiß auch Ivanschitz, der sein letztes Länderspiel (0:2 gegen Schweden) als 25-Jähriger bestritt. In wenigen Tagen wird er 28, da ist man schon Routinier.

"Es ist schon ein besonderer Moment für mich", sagt er. Er sei etwas nervös gewesen, als er am Sonntag das Teamquartier in Bad Tatzmannsdorf bezogen hat. "Ein bisschen war es wie bei meinem ersten Länderspiel."

Dieses hatte er am 26. März 2003 unter Teamchef Hans Krankl gegen Griechenland an der Seite von Michael Wagner, Anton Ehmann und Thomas Flögel bestritten. Ivanschitz war 19 Jahre alt.

Und seine zweite Teamkarriere soll auch nicht werden, wie die erste war, in der er unter permanenter Beobachtung der Öffentlichkeit stand und viele von ihm erwarteten, die Nationalelf zu einem großen Turnier zu führen. "Der ständige Druck hat mich immer verfolgt", sagt Ivanschitz. "Jetzt bin ich eher entspannt."

Schwierige Phasen

Bei seinem ersten Auftritt bei der Nationalmannschaft nach der Zwangspause ist der Reifeprozess, den Ivanschitz durchlebt hat, offenkundig. Hat er sich früher aus einer Art Schutzreflex immer wieder klassischer Blabla-Phrasen bedient, wie man sie von Fußballern und Politikern zur Genüge kennt, spricht er nun reflektiert, deutlich und bestimmt. Und auch merklich lauter als früher.

Auf die permanente Nicht-Berücksichtigung unter Didi Constantini hat er professionell reagiert, nie lamentiert, nie laut Kritik geübt oder über die Medien die Konfrontation gesucht. "Es gab Phasen und Statements, wo ich mich zu Wort melden musste, wo ich etwas richtig stellen musste. Etwa, dass ich einen Stammplatz gefordert hätte. Das musste ich klarstellen, und das hat Constantini ja auch zurückgenommen."

Und es war eben auch nicht leicht zu verkraften, nicht mehr gefragt zu sein, obwohl gerade zu Beginn seines Engagements in Mainz die Leistungen stark waren. "Es gab Phasen, in denen ich mich intensiv damit beschäftigt habe. Dann war es irgendwann ein Fakt." Wann genau? "Als die Ausreden immer mehr wurden", sagt Ivanschitz. Dann war ihm klar: Unter Constantini wird das nichts mehr. Eine bittere Gewissheit, aber zumindest eine Gewissheit.

Am Freitag wird Ivanschitz in Aserbaidschan sein 50. Länderspiel bestreiten, auf das er so lange hat warten müssen. Natürlich werden diesmal die Augen vor allem auf ihn gerichtet sein. Doch das sollte sich legen, wie auch Ivanschitz hofft. "Es geht nur um die Mannschaft", sagt er.

Und es gibt mittlerweile eben andere Spieler wie Marc Janko, Marko Arnautovic oder David Alaba, die im Rampenlicht stehen. Sie werden Ivanschitz auf dem Feld und auch abseits davon entlasten. Es gibt nicht mehr nur Ivanschitz, das einstige Supertalent. Mit seinen bald 28 Jahren könnte er in den kommenden Jahren das sein, was er bisher in Österreich nie wirklich war: ein einfacher Nationalteamspieler. Nicht mehr, nicht weniger.