Maribor.(man) Die Europameisterschaft wird weiterhin weit davon entfernt bleiben, das Lieblingsturnier der Serben zu werden. Zum dritten Mal in Folge verpasste Serbien nun - trotz großem Potenzial und einem Kader mit international renommierten Spielern - die Qualifikation für die Endrunde. Das 0:1 in Slowenien am Dienstag, das die Serben die Gruppe C hinter Italien und dem bisher als Fußballzwerg gehandelten Estland auf Rang drei abschließen ließ, beendete dabei eine Qualifikation standesgemäß, die geradezu sinnbildlich für den Zustand des serbischen Fußballs ist.

Nemanja Vidic, Serbiens

Kapitän, denkt über seinen

Rücktritt nach. - © ASSOCIATED PRESS
Nemanja Vidic, Serbiens
Kapitän, denkt über seinen
Rücktritt nach. - © ASSOCIATED PRESS

Zuletzt war Serbien im Jahr 2000 bei einer Euro dabei, das bisher einzige Mal seit dem Zerfall Jugoslawiens. Damals trat das Team noch unter dem Namen Jugoslawien und gemeinsam mit Montenegro an. Dass der kleine Bruder nun im Gegensatz zu Serbien sensationell die Qualifikation für das Play-off geschafft hat, vergrößert die Schmach nur noch.

Kaum Punkte gegen die direkten Konkurrenten

Dabei glaubten die Serben nach der Qualifikation für die WM 2010, endlich wieder einmal über eine Generation mit Potenzial zu verfügen. Doch in Südafrika kam das Aus trotz eines Sieges über Deutschland bereits nach der Vorrunde, mangelnde Konstanz wurde dem Team zum Verhängnis. In der aktuellen Qualifikation gab es nicht einmal mehr Ausreißer nach oben. Das Team mit Spielern von Klubs wie Manchester United, Manchester City, Chelsea, Inter Mailand und Borussia Dortmund holte gegen die direkten Konkurrenten Italien, Estland und Slowenien aus sechs Spielen nur drei Punkte. Das war eindeutig zu wenig für die Qualifikation. An der 0:3-Niederlage in Italien waren die Spieler aber schuldlos. Serbische Hooligans sorgten mit Ausschreitungen für einen Spielabbruch, die Uefa strafverifizierte die Partie zugunsten Italiens. Doch auch gegen Estland und Slowenien enttäuschte das Team. Die Führungspersönlichkeiten zogen bereits die Konsequenzen.

Teamkapitän Nemanja Vidic denkt mit nur 29 Jahren über einen Rücktritt nach. "Es ist Zeit für einen Generationswechsel", sagt Vidic, der in Slowenien einen Elfmeter vergab. Kommt der Schritt von Vidic überraschend, war der Rücktritt des 33-jährigen Dejan Stankovic erwartet worden. "Ich werde noch ein Freundschaftsspiel für Serbien bestreiten, und das wird mein Abschiedsspiel", sagte Stankovic. Teamchef Vladimir Petrovic legt seine Zukunft in die Hände des Verbandes: "Sie brauchen mich nicht hinauszuwerfen, mein Vertrag endet in zwei Monaten. Es liegt an ihnen, ob sie ihn verlängern wollen." Damit rechnet freilich kaum jemand.