Marseille. (man) Die Champions League war für die Spieler von Olympique Marseille in dieser Saison so wie Urlaub. Wie Urlaub von den Mühen einer bis dato äußerst schwierigen Saison. Zumindest bis Mittwoch, als es beim 0:1 gegen Arsenal auch in der Eliteliga die erste Niederlage setzte.

Die großen Ambitionen des Klubs werden in der Meisterschaft gerade einer harten Prüfung unterzogen. Dabei war der traditions- und skandalreiche Klub aus der Hafenstadt vor nicht allzu langer Zeit eigentlich auf dem aufsteigenden Ast. Vor knapp eineinhalb Jahren feierte Marseille den ersten Meistertitel von Olympique seit 18 Jahren. Der erste Sieger der Champions League sollte endlich wieder eine relevante Größe im europäischen Fußball werden. Und das Achtelfinal-Aus in der vergangenen Saison gegen Manchester United war auf internationaler Ebene auch ein durchaus akzeptabler Auftritt. Der Vizemeistertitel in Frankreich hinter Lille war kein Beinbruch, zumal Olympique damit die neuerliche Champions-League-Teilnahme sicherte.

Doch dass das mit der Rückkehr zur klaren Nummer eins in Frankreich nicht so einfach wird, war spätestens im Sommer klar, als eine Investorengruppe aus Katar im großen Stil bei Paris Saint-Germain einstieg und den Klub seither aufrüstet. Schwerer wiegt aber der Zustand der Finanzen von OM. Vergangene Saison schrieb der Klub trotz einer akzeptablen Saison ein Minus von 15 Millionen Euro.

Grund genug für die Eigentümerin, Margarita Louis-Dreyfus, Erbin des vor zwei Jahren verstorbenen Langzeiteigentümers Robert Louis-Dreyfus, mit dem Verkauf des Klubs zu drohen. Sie tat das vor knapp zwei Wochen aber nicht nur wegen der prekären finanziellen Lage. "Die aktuelle Situation ist schwierig, so kann es nicht weitergehen. Der laufende Betrieb ist viel zu teuer und für meine Investitionen bekomme ich sehr wenig zurück", sagte Louis-Dreyfus mit Blick auf die sportliche Situation. In der Meisterschaft liegt Olympique nach zehn Runden mit nur einem Sieg auf Rang 15. Von den Champions-League-Plätzen ist die Mannschaft schon elf Punkte entfernt.

Dabei war das der einzige Bewerb, in dem Marseille in dieser Saison reüssierte. Bis Mittwoch. Gegen ein in der heimischen Liga ebenfalls kriselndes Arsenal war Marseille das ganze Spiel zumindest ebenbürtig, in der Nachspielzeit entschied Aaron Ramsey die Partie aber für die Londoner. Und bringt Marseille nun auch international in Sorgen.