Manchester. Charlie Jackson wird Manchester United im Kampf um den Gruppensieg in der Champions League nicht helfen. Dabei hatte die - im doppelten Wortsinn - jüngste Neuverpflichtung des englischen Meisters vergangene Woche für Aufregung gesorgt. Der Klub nahm den Fünfjährigen jüngst unter Vertrag, nachdem er United-Scouts laut Medienberichten schon mit drei Jahren aufgefallen war. Bei Jackson soll es sich um ein außergewöhnliches Talent handeln, ob er jemals im Stadion von Old Trafford einlaufen wird, ist freilich ungewiss.

Dort geht es am Dienstag (20.45 Uhr) um den Gruppensieg in der Gruppe C der Champions League, wenn Tabellenführer United das punktgleiche Team von Benfica Lissabon zu Gast hat. Das Hinspiel endete 1:1 und war neben dem 3:3 gegen den FC Basel der einzige Punktverlust Uniteds bisher. Dennoch ist es fast ungewöhnlich, dass das Team von Alex Ferguson in dieser Saisonphase nicht schon längst den Aufstieg in die K.o.-Runde fixiert hat. Es ist schon sechs Jahre her, dass United zuletzt in der Gruppenphase scheiterte, gemeinsam mit Arsenal und Chelsea gehört man in der englischen Premier League zu den Langzeitdominatoren.

Diese Rolle wird sich, glaubt man Kommentatoren, in Zukunft auch in Sachen Nachwuchsarbeit noch verstärken, denn vor Kurzem beschlossen die englischen Fußballklubs eine Regelung, die wie zugeschnitten auf die Bedürfnisse der großen Klubs wirkt. Ab der kommenden Saison tritt ein neues System der Ausbildungsentschädigungen in Kraft, das zum Ziel hat, die Erfolge Englands auf Klubebene endlich auch dem Nationalteam zukommen zu lassen. Dazu sollen die talentiertesten Spieler in den besten Akademien landen, die - logischerweise - überwiegend von den Topklubs betrieben werden. Diese Vereine müssen für die Nachwuchsspieler dann nur mehr fixierte Ausbildungsentschädigungen bezahlen und keine schiedsgerichtlich festgelegten Ablösesummen mehr.

Auswirkungen sind offen

Das Bemerkenswerte daran ist, dass der "Elite Player Performance Plan", wie die Regelung heißt, von den Klubs der zweiten bis vierten Liga, für die die Ausbildung junger Spieler bisher zum Teil ein Geschäftsmodell war, genehmigt wurde. Das geschah allerdings, nachdem die Premier League eine freiwillige, pauschale Zahlung an die unterklassigen Klubs für die Nachwuchsausbildung zurückgehalten hatte. "Natürlich werden die Topklubs einen Vorteil haben, ich akzeptiere das", sagt Greg Clarke, Vorsitzender der unteren Ligen. "Es gibt kein anderes Wort dafür. Die unteren Ligen sind von der Premier League erpresst worden", schreibt Simon Jordan, Ex-Besitzer des zweitklassigen Traditionsklub Crystal Palace.

Welche Auswirkungen die neue Regelung auf die Arbeit an der Basis, etwa mit Talenten wie Charlie Jackson, haben wird, ist noch völlig offen. "Ich fürchte, dass viele Vereine die Nachwuchsarbeit völlig einstellen werden", sagt Barry Fry, Sportdirektor des Zweitligisten Peterborough United.

Auch sein Klub hat von der bisherigen Praxis schon profitiert. So wechselte etwa Tormann Luke Steele 2002 im Alter von 17 Jahren für 750.000 Euro zu Manchester United. Ein Wert, der mit der neuen Regelung utopisch wäre. Heute spielt Steele selbst wieder in der zweiten Liga. Wie ihm geht es den meisten zu Großklubs transferierten Jungspielern, eine Profikarriere ist zwar drinnen, bei den Topklubs setzt sich aber kaum einer durch.

So steht aktuell bei Manchester nicht ein Spieler aus England im Kader der Kampfmannschaft, der früher als mit 14 Jahren zum Klub kam. In Tom Cleverley und Danny Welbeck sind es überhaupt nur zwei Engländer, die die Akademie durchlaufen haben. Das spricht einerseits für die neue Regelung, die Talente möglichst einfach in die besten Akademien zu bringen, zu denen jene von United zweifellos zählt. Andererseits spricht diese Tatsache aber auch für die Nachwuchsarbeit der kleineren Klubs. Denn Manchesters Stützen, die auch im englischen Nationalteam spielen, wurden überwiegend bei kleinen und mittelgroßen Klubs ausgebildet. Die Chancen von Charlie Jackson, in ferner Zukunft tatsächlich einmal in Old Trafford einzulaufen, sind rein statistisch also gering.