Charkiw. (man) Die Ukraine kennt ein guter Teil der Austria-Mannschaft schon, allerdings nur als Fußball-Touristen. Denn sieben Spieler waren vor zwei Wochen mit dem Nationalteam in der Ukraine zu Gast, zum Einsatz kam damals aber kein Spieler des aktuellen Tabellenführers der Bundesliga.

Das wird am Mittwoch (19 Uhr MEZ) beim Europa-League-Gruppenspiel bei Metalist Charkiw anders sein, da wird die halbe Mannschaft aus aktuellen Nationalspielern zusammengestellt sein. Lediglich der verletzte Manuel Ortlechner ist von der damaligen Ukraine-Reisegruppe nicht mit von der Partie, einer der beiden Torhüter muss auf der Bank Platz nehmen.

Dieses Mal hat die violette Reisegruppe einen klaren Auftrag. "Wir werden für den Aufstieg wohl zwei Siege brauchen", sagt Austria-Trainer Karl Daxbacher über die beiden verbleibenden Europa-League-Gruppenspiele gegen Charkiw und zuhause gegen das noch punktelose Malmö FF. Die Wiener liegen mit fünf Punkten auf Rang drei, einen Punkt hinter AZ Alkmaar und fünf Punkte hinter Tabellenführer Charkiw.

Daxbacher bezeichnet seine Mannschaft als "krassen Außenseiter. Da spielt es sich normalerweise ein bisserl leichter." Schon beim 2:2 in Alkmaar bewies die Austria, mit der Außenseiterrolle gut zurechtzukommen. Im Hinspiel gegen Charkiw setzte es allerdings eine 1:2-Niederlage, nicht der einzige Grund, der Karl Daxbacher zu folgender Einschätzung verleitet: "Metalist ist die stärkere Mannschaft, das ist Fakt." In der ukrainischen Meisterschaft liegt Charkiw hinter Dynamo Kiew und Schachtar Donezk auf Rang drei. Der Klubchef, Bauunternehmer und Banker Alexander Jaroslawski, leistet sich eine spielstarke Mannschaft unter anderem mit drei Brasilianern und sechs Argentiniern.

Teamchef setzt auf Legionäre

Die Teamspieler und -aspiranten bei der Austria haben am Mittwoch also die Chance, ihre internationale Konkurrenzfähigkeit unter Beweis zu stellen. Eine Chance, die sie vom neuen Teamchef Marcel Koller nicht bekommen haben. Der setzt überwiegend auf Legionäre, nur ein Spieler aus der Bundesliga kam in der Ukraine zum Einsatz. Für die Austria-Spieler ein klares Signal. "Keiner von uns hatte eine Einsatzminute. Das ist ein Zeichen, dass wir uns nochmal steigern müssen, damit wir auch beim Team zum Spielen kommen", sagt Zlatko Junuzovic im Interview mit der "Sportwoche".

Dabei ist die Austria so etwas wie das heimliche Nationalteam. Mit sieben Spielern stellte sie den größten Anteil an Kollers erstem Kader. Die Violetten sind in der Bundesliga auch in der Wertung der meisten eingesetzten österreichischen Spieler führend und haben von den Spitzenteams die geringste Anzahl an Legionären.

Angesichts von Kollers Aufstellungspolitik handelt es sich bei der Austria aber um so etwas wie ein B-Team: Sie geben im Training die Sparringpartner für die im Ausland bereits etablierten Spieler ab und sitzen für Notfälle auf der Ersatzbank. Der Aufstieg in einer Gruppe mit zwei nominell eindeutig besseren Mannschaften wäre so etwas wie eine internationale Reifeprüfung für Daxbachers Team.

Die hat Marko Devic, eingebürgerter Stürmer beim ukrainischen Gegner, schon hinter sich. Der gebürtige Serbe erzielte beim Länderspiel in der 92. Minute den 2:1-Siegtreffer für die Ukraine. Eine Szene, die die Austrianer im Teamkader von der Tribüne und Ersatzbank aus beobachten
mussten.