Salzburg. Die Losfee der Uefa beweist wiederholt Sinn für Ironie. Alljährlich lost sie den Salzburgern in der Europa League einen von Europas neureichen Klubs zu. War es vergangene Saison Manchester City, spielt Red Bull Salzburg heuer mit Paris Saint-Germain in einer Gruppe. Am Donnerstag (21.05 Uhr/live Puls4) ist der französische Ligakrösus in Salzburg zu Gast.

Es ist eine der seltenen Gelegenheiten, bei der sich die Salzburger in allen Belangen zu Recht als Außenseiter fühlen dürfen. "Sie haben ganz einfach sehr viel Qualität in der Mannschaft", sagt Salzburg-Trainer Ricardo Moniz. Um die Kräfteverhältnisse zu illustrieren, reicht ein Blick auf die Transferperiode des Sommers: Allein für den Argentinier Javier Pastore, der in Salzburg geschont wird, gab Paris Saint-Germain 42 Millionen Euro aus. Das wären etwa vier Fünftel von Salzburgs Jahresbudget, Österreichs unumstrittenem Ligakrösus. Insgesamt war PSG mit Ausgaben in der Höhe von rund 86 Millionen Euro Europas investitionsfreudigster Klub in diesem Sommer.

Diese Investitionsfreude kommt nicht von ungefähr. Der Fonds Qatar Sports Investment (QSI), Tochter eines staatlichen Investmentfonds aus Katar, übernahm 70 Prozent von Paris Saint-Germain und begann sogleich von großen nationalen und internationalen Erfolgen zu schwärmen und für diese Erfolge zu investieren. Zwar wolle man diese Erfolge, wie es auch bei anderen, ähnlich gelagerten Übernahmen immer wieder heißt, mit der Entwicklung von eigenen Spielern erreichen, für den kurzfristigen Boost wurde aber auf dem internationalen Markt kräftig eingekauft. So wie das etwa Manchester City nach der Übernahme durch ein Mitglied der Herrscherfamilie der Vereinigten Arabischen Emirate im Großen und Salzburg nach der Red-Bull-Übernahme im Kleinen getan hat. Gegen die Einkäufe der arabischen Investoren waren die Transfers von Salzburg aber Kirchenmäuserei.

David Beckham ante portas

Und anders als bei Salzburg werden bei Katars Übernahme von Paris Saint-Germain auch politische Interessen vermutet. So soll ziemlich genau vor einem Jahr der französische Staatspräsident und PSG-Fan Nicolas Sarkozy den katarischen Kronprinzen Tamim bin Hamad al-Thani und Uefa-Präsident Michel Platini im Elysée-Palast empfangen haben. Eine offizielle Bestätigung für dieses Treffen gibt es ebenso wenig wie für Medienberichte, dass Sarkozy Platini eine Stimmabgabe für Katar bei der WM-Vergabe für 2022 empfohlen haben soll. Platini bestreitet das, der Franzose hat im Fifa-Exekutivkomitee vor einem Jahr jedenfalls für Katar, das die Wahl schließlich gewann, gestimmt.

Unbestritten ist, dass der ebenfalls staatlich finanzierte katarische Sender Al Jazeera Sport die internationalen sowie einen Teil der nationalen TV-Rechte an der französischen Liga für die Periode von 2012 bis 2016 erworben hat. Der Vorsitzende von QSI, Nasser al-Khelaifi, ist auch General Manager von Al Jazeera Sport. Die TV-Gelder sind für die Finanzierung der Fußballklubs in Frankreich wichtiger als in anderen Ländern, der Erlös ist mit 510 Millionen Euro jährlich ungewöhnlich hoch.

Auch Paris Saint-Germain profitiert davon, auch wenn die nächste große Investition noch vor Beginn des neuen TV-Vertrags zu Beginn der kommenden Saison ansteht: Der Klub will David Beckham nach Ablauf seines Vertrags in den USA im Winter nach Paris holen. "Beckham geht über den Sport hinaus. Er ist ein Botschafter, eine Marke", sagt Al-Khelaifi.

Dass der Engländer immer noch gut Fußball spielen kann, ist ein angenehmer Nebeneffekt. Denn trotz Rang zwei in der Liga, Aufstiegskurs in der Europa League und einem guten Saisonstart, ist Trainer Alain Kombouaré bereits in die Kritik geraten. Sportdirektor Leonardo, der von den katarischen Eigentümern im Sommer installiert wurde, hat sich nach zuletzt durchwachsenen Resultaten mit dem international weit renommierteren Italiener Carlo Ancelotti getroffen. Zuletzt gab es am Wochenende beim Prestigeduell bei Olympique Marseille eine 0:3-Niederlage. Um seinen Job zu sichern, braucht Kombouaré in Salzburg wohl zumindest ein Unentschieden. Bei neureichen Klubs ist diese Form von Druck nichts Ungewöhnliches.