Barcelona. (sir) Es war gegen Ende eines erfolgreichen Abends für Real Madrid, als im Estadio Bernabéu Bemerkenswertes passierte. Trotz eines 4:1-Sieges gegen Athletic Bilbao hallten Pfiffe durch das Rund. Und zwar just zu dem Zeitpunkt, als die berüchtigten Ultras Sur in der Fankurve ihren Helden besangen, Trainer José Mourinho. Die Pfiffe galten ihm, dem "Special One", der es wieder nicht geschafft hatte, den FC Barcelona zu bezwingen. Von neun Begegnungen hat Mourinho nur eine gewonnen, und die auch nur in Verlängerung.

"Die Besten der Welt wurden hier ausgepfiffen, Zidane, Ronaldo. Es ist also kein Problem für mich", sagt Mourinho. Und er ist überzeugt, dass es am Mittwoch (22 Uhr/live auf Puls4) für ihn und Real im Camp Nou in Barcelona besser laufen wird. Aus dem Hinspiel im Cup-Viertelfinale müssen die Madrilenen ein 1:2 aufholen. "Wir werden gewinnen", sagt Mourinho.

Sollte ihm das nicht gelingen, dann wird der Druck auf ihn weiter zunehmen. Nach der jüngsten Pleite hat sich die in Madrid ansässige Sportzeitung "Marca" mit offensichtlichem Genuss einem Streit im Training zwischen dem Portugiesen und den spanischen Teamspielern bei Real gewidmet. Von einem "Krieg" zwischen Trainer und Spielern war sogar zu lesen. Dann zitierte das Blatt den ehemaligen spanischen Teamspieler Luis Suárez, der nun als Funktionär bei Inter tätig ist: Mourinho, sagte dieser, bereite bereits seinen Abschied aus Madrid vor.

José Mourinho hatte bisher noch bei jedem Klub Erfolg, auch wenn er mit Chelsea die Champions League nicht gewann. Doch bei Real Madrid stellte sich der Erfolg nicht ein. Der Cup-Sieg im Vorjahr bedeutete zwar den ersten Titel nach dreijähriger Pause, doch der Wundertrainer wurde geholt, um die Dominanz Barcelonas zu brechen. Und das hat er bisher nicht geschafft, auch wenn Real derzeit in der Liga fünf Punkte Vorsprung auf die Katalanen hat. Doch das Ligaspiel gegen Barcelona im vergangenen November hat Real Madrid verloren.

Nur der Sieg zählt

Mourinho wird zum Verhängnis, dass er sich ausschließlich über den Erfolg seiner Mannschaften definiert, während sein Widerpart Pep Guardiola die Spielphilosophie Barcelonas über alles andere stellt. Guardiola hat auch bei Niederlagen, wie jenem bitteren 1:3 vor zwei Jahren bei Mourinhos Inter Mailand, als Barcelona in der Champions League auswärts ausgekontert wurde, seine Spielidee verteidigt.

Mourinho sind dagegen alle Mittel recht. Er hat - kritisierterweise - sogar in die DNA Reals eingegriffen. Das Weiße Ballett, das seit Jahrzehnten für seine Offensivspektakel bekannt ist, agiert gegen Barcelona sehr defensiv und abwartend, auch beim 1:2 im Cup-Hinspiel hatten sich die Madrilenen nach der frühen Führung durch Cristiano Ronaldo weit zurückgezogen. Zu weit, wie etwa Sergio Ramos nach dem Spiel bekundete.

"Du hast mich in der Mixed Zone (Interviewzone, Anm.) getötet", soll Mourinho laut "Marca" dem Verteidiger an den Kopf geworfen haben. Zwar hat Ramos den Konflikt mit dem Trainer tags darauf heruntergespielt und Brüche in der Beziehung zu Mourinho und innerhalb des Teams dementiert, doch es ist auch bekannt, dass der Portugiese bedingungslose Gefolgschaft von seinen Spielern verlangt und keine Kritik duldet. Aber die kommt nun - vereinzelt zwar, aber doch aus dem Spielerlager. Und die Madrider Presse ist dem schwierigen Trainer ohnehin nicht sehr zugeneigt.

Am Mittwoch hat Mourinho die Chance auf Rehabilitation. Dem Vernehmen nach will er mit Kaká und Mesut Özil im Mittelfeld beginnen, also diesmal mit offenem Visier in die Begegnung gehen. Doch daheim ist Barcelona, das Real auch in der Liga noch im Camp Nou empfängt, eine Macht. Angesichts des Vorsprungs von fünf Punkten könnte sich Madrid im April in Barcelona sogar eine Niederlage leisten, wenn sie sonst keine Punkte liegen lassen. Dann wären sie Meister, zum ersten Mal seit 2008. Allerdings mit einem Schönheitsfehler. Sie hätten Barcelona nie geschlagen. Und das könnte für Mourinho zu wenig sein.