Leverkusen. Jetzt geht es ihm an seinen Namen. Früher, in seiner besten Zeit, war Michael Ballack der Capitano. Jürgen Klinsmann, der Entdecker der neuen deutschen Fußball-Herrlichkeit, hatte ihn so genannt und damit eine jahrelange, fast weinerliche Suche nach einem "Führungsspieler" für beendet erklärt. Er, Michael Ballack, war für Klinsmann diese Autorität.

Heute ist Ballack 35 Jahre alt und zu einem Dauerproblem für seinen Verein Bayer Leverkusen geworden. Capitano heißt er längst nicht mehr, in deutschen Zeitungen ist nun ein anderer Name zu lesen: Michael Ballast. Der einst Unersetzbare, die personifizierte Lebensversicherung des deutschen Fußballs, wird zusehends zu einer tragischen Figur. Denn Ballack hat es bisher nicht geschafft, sich neu zu definieren, wie das andere große Spieler in ihrem Karrierewinter getan haben, wie Ryan Giggs, Raúl oder Alessandro Del Piero.

Ballacks Selbstverständnis ist scheinbar immer noch das des Capitanos, des Unersetzbaren. Er hat sich selbst nicht eingestanden, dass es im Nationalteam Bessere gibt, etwa Real Madrids Sami Khedira. Eine Teilzeitkraft wie Giggs oder Del Piero will er nicht sein. Dass ihn Robin Dutt, sein Trainer bei Leverkusen, fast immer nach etwa einer Stunde auswechselt, wenn er spielt, empfindet Ballack als Beleidigung. Vor einer Woche verzichtete er auf das übliche Abklatschen und verschwand in der Kabine. Das Publikum pfiff den ungeliebten Trainer aus, denn Ballack ist bei den Fans noch immer sakrosankt.

Gerade deshalb wollte die Klubführung ein paar versöhnliche Worte von ihrem Star in den Zeitungen lesen. Er sollte kalmieren, den Trainer loben, um wieder Ruhe in das nervös gewordene Umfeld zu bringen. Leverkusen ist mittlerweile nur Sechster der Bundesliga, Tendenz fallend.

Doch Ballack reagierte nicht, wie sich das Sportchef Rudi Völler und Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser dachten. Er lehnte ab. Damit desavouierte er zum wiederholten Mal seine Vorgesetzten, die vor einigen Wochen versucht hatten, den Konflikt Ballacks mit dem DFB zu lösen und ihn doch zu einem Abschiedsspiel zu bewegen. Ballack hatte das Vorhaben als "private Angelegenheit" von Völler und Holzhäuser abgetan. Nach der jüngsten Episode hagelte es aber öffentliche Kritik für sein Verhalten.

Kritik der Bosse