Kirjat Schmona. Die Geschichte des israelischen Klubs Hapoel Kirjat Schmona erinnert an die der SV Ried: ein kleiner Klub mit kleinem Budget, der die großen Vier des Landes ärgert. Im Fall von Kirjat Schmona ist das aber schon vier Jahre her. Die Saison 2007/08 war die erste des Klubs in der obersten Liga, und Kirjat Schmona beendete sie sensationell auf Rang drei und qualifizierte sich für den Europacup. Es war ein Märchen, das ein Jahr später mit dem Abstieg ein zwischenzeitliches Ende fand.

Heute ist Kirjat nicht in der Position, die Großen zu ärgern. Es ist umgekehrt, wobei das den erfolgsverwöhnten Klubs aus Tel Aviv und Haifa gar nicht gelingt. Neun Runden vor dem Ende der Meisterschaft liegt der kleine Klub aus dem Norden mit zwölf Punkten Vorsprung in Führung, den Ligacup hat Kirjat Schmona bereits gewonnen, und im Pokalbewerb ist der Verein auch noch vertreten. Erstmals könnte ein Klub das Triple schaffen, und dass dies dem kleinen Kirjat Schmona gelingen könnte, ist so etwas wie ein Treppenwitz.

Denn seit 1990 wechseln einander die beiden Teams aus Tel Aviv, Maccabi und Hapoel, Beitar Jerusalem und Maccabi Haifa beim Titelgewinnen ab. Nur ein einziges Mal, 1999, gelang es einem anderen Klub, die Meisterschaft zu gewinnen. Hapoel Haifa schaffte dieses Kunststück unter dem jetzigen Teamchef Eli Guttman und seinem Abwehrchef und Kapitän Ran Ben-Shimon.

Und der ist auch der Link zum so unerwarteten Erfolg von Kirjat Schmona, denn Ran Ben-Shimon trainiert die Mannschaft mit einer kurzen Unterbrechung seit 2006, als der Verein noch in der zweiten Liga feststeckte. Doch auch diese Spielklasse war nicht der natürliche Lebensraum von Kirjat Schmona, einem Klub, der erst vor zehn Jahren aus der Fusion eines Viert- mit einem Fünftdivisionärs hervorgegangen ist.

"Als ich den Klub gegründet habe, habe ich gesagt, dass wir eines Tages die Champions League erreichen werden", sagt Izzy Sheratzky, der millionenschwere Präsident und Financier des Klubs. Ein reicher Unternehmer wie Sheratzky als Gönner und Klubchef klingt zwar dann gar nicht mehr nach der SV Ried, doch Sheratzky schmeißt nicht mit Geld herum, sondern hat dem Verein zunächst einmal ein Nachwuchszentrum gebaut. Und dieses speist den Klub seit Jahren mit Spielern.

Philanthrop als Klubchef

Izzy Sheratzky ist mehr Philanthrop als ein Mäzen, wie es Frank Stronach war, der den Erfolg so schnell wie möglich wollte. Es war nicht der Fußball, der den Unternehmer aus Tel Aviv nach Kirjat Schmona gehen ließ, es waren Berichte über die 20.000 Einwohner fassende Stadt an der Grenze zum Libanon, die immer wieder unter Beschuss der Hisbollah mit ihren Katjuscha-Raketen kam. Viele Menschen verließen die Stadt, Geschäfte sperrten zu, die Armut wuchs.

Sheratzky spendete Geld für soziale Einrichtungen, für Bildung, erst dann widmete er sich dem Fußball. "Das Besondere, das wir haben, ist das, was wir nicht haben -ein Ego", sagt Sheratzky, der selbst freilich nicht frei von Eitelkeiten ist. Ihm Medienaffinität zu unterstellen, ist eine Untertreibung. Doch auf seine Mannschaft trifft dieser Befund wohl zu. Es ist eine Mannschaft ohne Stars, mit wenigen Legionären, das Budget soll unter drei Millionen Euro liegen.

Ein Verein wie Hapoel Tel Aviv, das auf Rang zwei liegt und zuletzt im Europacup Rapid und Salzburg keine Chance ließ, verfügt über einen Etat jenseits von 20 Millionen Euro. Beitar Jerusalem ist im Besitz des dubiosen Milliardärs Arcadi Gaydamak, der wegen illegalen Waffenhandels in Frankreich per Haftbefehl gesucht wird. Maccabi Tel Aviv wiederum wird vom kanadischen Milliardär Mitchell Goldhar unterstützt, der auch Präsident des Vereins ist.

Fünf Teamspieler

Der israelische Fußball erlebt deshalb aber kein Kräftemessen reicher Mäzene, die Vereine leisten sich keine Topstars, aber es herrscht doch ein reges Kommen und Gehen bei den vier Großklubs, die ihre besten Spieler nicht halten können. In Zeiten der Finanzkrise wollen die Klubchefs offenbar auch nicht investieren, Milliardäre wie Goldhar oder Gaydamak könnten sich den einen oder anderen Star schon leisten.

Im aktuellen Teamkader, dem ersten von Eli Guttman für das anstehende Länderspiel gegen die Ukraine, finden sich gleich fünf Akteure von Kirjat Schmona, aber nur einer der großen Vier, Omer Damari von Hapoel Tel Aviv. Kirjat Schmona dominiert in mehrfacher Hinsicht den israelischen Klubfußball. Ein derartiger Sololauf der SV Ried in der Bundesliga ist völlig unwahrscheinlich - genauso unwahrscheinlich wie er für Kirjat Schmona in Israel war. Vor dieser Saison.