Barcelona/Nikosia. (sir) Es ist erst eine Woche her, dass sich ein ganz spezielles Sportereignis zum 50. Mal jährte, ein Spiel in der US-Basketball-Liga NBA zwischen Philadelphia und New York, in dem Wilt Chamberlain sagenhafte 100 Punkte erzielte, eine einmalige, nie wieder erreichte Zahl. An dieses unglaubliche Spiel erinnerte am Donnerstag die spanische Sportzeitung "AS" angesichts der fünf Tore von Lionel Messi im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Leverkusen: "Die 75.632 Zuschauer, die es im Stadion gesehen haben, können sagen: ,Ich war dabei." So wie damals, bei Wilt Chamberlain.

In der Champions League hat es fünf Tore in einer Partie noch nie gegeben. Und vielleicht wird es das auch Jahrzehnte nicht mehr geben. So wie die 100 Punkte von Chamberlain seit nun schon 50 Jahren unerreicht sind. Doch daran glaubt zumindest Pep Guardiola, der glückselige Trainer des FC Barcelona, nicht: "Eines Tages wird er sechs Tore schießen. Der Thron gehört ihm, nur er entscheidet, wann er ihn verlässt. Wir werden nie mehr einen vergleichbaren Spieler sehen."

Als Messi sechs Minuten vor dem Ende zum fünften Mal traf, schüttelte Guardiola nur noch ungläubig den Kopf. "Er ist der Beste, es gibt keinen anderen", sagt Guardiola. "Dabei denkt er nicht an Rekorde. Er trifft, und versucht noch einmal zu treffen. Und wenn er sein zweites Tor gemacht hat, dann will er ein drittes. So denkt er. Ich bin glücklich, so einen Spieler zu trainieren."

Auch wenn Messi ein echter Individualist ist, überschreitet er fast nie die Grenze zum Egoismus, der erfolgreichen Stürmern bisweilen in die Gene geschrieben ist. "Ohne ihn wären wir nicht, was wir sind", sagte Mittelfeldstratege Xavi einmal. Die Mannschaft scheint gern für Messi zu spielen, seine Mitspieler suchen ihn regelrecht, wenn er zwischenzeitlich ein wenig abtaucht. "Von ihm kannst du alles erwarten", sagt auch Cesc Fàbregas. "Wir müssen nur schauen, dass Messi den Ball bekommt. Wenn wir das geschafft haben, ist unsere Arbeit getan", erklärt Guardiola. So einfach kann Fußball offenbar sein. So einfach lässt es Lionel Messi bisweilen aussehen.

Dabei waren die fünf Treffer nicht irgendwelche Abstauber. Zweimal überhob er den Torhüter, zweimal traf er scharf ins linke Eck, und einmal nützte er einen Konzentrationsfehler von Bayer-Keeper Leno, um blitzschnell zu reagieren und den Ball aus ganz spitzem Winkel ins Tor zu legen. Auch dieses Tor sah so einfach aus, doch tatsächlich war es wohl sogar das schwierigste an diesem Abend. Und genau diese Leichtigkeit macht den nur 1,69 Meter kleinen Messi zum Größten.

Nikosia feiert die Sensation

Ein ganz anderer Fußballzwerg hat am Mittwoch ebenfalls Geschichte geschrieben. Apoel Nikosia ist als erster zyprischer Klub ins Viertelfinale der Champions League eingezogen. Mit dem zweitkleinsten Budget aller Teilnehmer ausgestattet schaffte Apoel nicht nur den bereits als Sensation gewerteten Aufstieg aus der Gruppe, sondern schmiss nun Frankreichs Stolz Olympique Lyon im Elfmeterschießen aus dem Bewerb.

Das 0:1 aus dem Hinspiel konnten die Zyprer nach neun Minuten egalisieren, als Gustavo Manduca einen Stanglpass verwertete. Der Brasilianer ist einer von 15 Legionären bei Apoel, mit dem zyprischen Fußball hat das Team also in etwa genauso viel zu tun wie Red Bull Salzburg mit dem österreichischen.

Es ist ein Team der Gescheiterten, die in Nikosia eher gestrandet, denn gelandet sind. Manduca war einmal bei Benfica, konnte sich aber nicht durchsetzen. Aílton war bei Kopenhagen nur Mitläufer, der Argentinier Esteban Solari spielte schon in Spanien, Italien, Mexiko und Belgien, fand aber nirgendwo sein Glück. Und Kaká trägt zwar einen prominenten Namen, doch in drei Jahren bei Hertha BSC schaffte es der Brasilianer nur zu 16 Einsätzen. Der serbische Coach Ivan Jovanovic hat jedoch ein defensiv enorm starkes Kollektiv geschaffen.

"Wir haben etwas erreicht, das niemand für möglich gehalten hat", sagte Torhüter Dionisios Chiotis, der im Elferschießen zum Helden wurde. Die 23.000 Zuschauer im ausverkauften Stadion flippten aus, zumindest die Hälfte Nikosias aber wird sich nicht gefreut haben. Schließlich gibt es eine erbitterte Feindschaft zwischen dem nationalistisch-konservativen Apoel und dem eher linksgerichteten Lokalrivalen Omonia, der sich im Zuge des griechischen Bürgerkriegs aus politischen Gründen von Apoel abgespalten hatte.

In der Meisterschaft hat derzeit Omonia die Nase vorne, jener Klub, der vor ein paar Monaten im Europa-League-Playoff an Salzburg gescheitert ist.