Nyon. (sir) "Ich will Barcelona nicht", sagt Gustavo Manduca von Apoel Nikosia, "niemand will gegen die spielen." Einer aber wird müssen. Und zwar gleich zweimal, Ende März und Anfang April, im Viertelfinale der Champions League. "Es wäre schön", sagt Bayerns Philipp Lahm, "wenn wir Barcelona und Real Madrid noch aus dem Weg gehen könnten."

Die Katalanen haben sich den Nimbus der Unschlagbaren erspielt - ein enormes Kapital. Wer heute, Freitag (12 Uhr), bei der Auslosung erfährt, dass es Barcelona geworden ist und nicht Nikosia oder Marseille, die vermeintlich leichten Gegner, hat schon ein erstes Mal verloren. Denn wer nur im Kopf hat, nicht gegen Barcelona zu spielen, wird betropezt sein, wenn er muss.

Ein Champions-League-Sieger aber steht schon vor der Auslosung fest: Brasilien. Denn alle acht noch verbliebenen Klubs vertrauen auf Brasilianer, in jedem kader sind es mindestens zwei. Die meisten - je sechs - bereichern die Mannschaften von Benfica Lissabon und Apoel Nikosia, unterschätzen sollte man diese Klubs daher nicht. Sie setzen auf die erfolgreichste Nation. Und Olympique Lyon hat in 210 Minuten auch nur ein einziges Tor gegen Nikosia zustande gebracht.

Spanien, das als einzige Nation zwei Vereine ins Viertelfinale gebracht hat, stellt mit 29 Spielern die meisten Vertreter, allerdings folgt dahinter schon Brasilien mit 26 Fußballern. Und zählt man jene gebürtigen Brasilianer dazu, die für andere Nationen spielen, wie den Portugiesen Pepe von Real Madrid, wäre Brasilien sogar die Nummer eins in der Champions League. Auch Frankreich (21) und Portugal (20) sind stark vertreten, natürlich Italien (17) und Deutschland (16), beide sind mit je einem Klub noch dabei.

35 Länder noch dabei

Insgesamt stellen 35 Nationen Teilnehmer für die Runde der letzten Acht, auch der Österreicher David Alaba ist dabei. Osteuropa hingegen scheint kaum noch eine Rolle zu spielen: Zwei Kroaten, zwei Serben, ein Mazedonier, der tschechische Chelsea-Keeper Petr Cech und Bayerns Ukrainer Anatolij Tymoschtschuk sind eine magere Ausbeute. Zudem ist Bayerns Edelreservist Ivica Olic (Kroatien) der einzige Offensivspieler.

Nicht, dass diese klassischen Exportländer Probleme hätten, ihre Spieler in ausländische Ligen zu bringen, die Top-Vereine aber holen sich ihre Kicker aber eher aus Südamerika (41) oder Afrika (18). Vielleicht ist das auch eine Konzession an das immer schneller werdende Spiel, in dem perfekte Ballannahme und Ballkontrolle immer wichtiger werden.

Und da sind wir wieder beim FC Barcelona, dem es gelungen ist, das Einfache zu perfektionieren. Nicht der eine Wahnsinnspass, den nur ein Genie spielen kann, ist der Grund für die Dominanz. Es sind die vielen Kurzpässe, die richtigen Laufwege und das flüssige Kombinationsspiel, das die Katalanen wie keine andere Mannschaft beherrschen.

Natürlich orientieren sich die anderen an Barcelona, das einst Ronaldinho an die Seite stellte und den zentralen Spielmacher damit für ausgestorben erklärte. Heute haben die meisten Teams ihre Kreativkräfte auf der Seite.

Doch Barcelona ist wieder einen Schritt weiter, hat den Individualisten Lionel Messi zum Mittelstürmer gemacht, der als Freigeist agiert, dafür operiert die Kreativabteilung wieder aus dem Zentrum heraus. Die Idee des Stoßstürmers erklärte Trainer Pep Guardiola mit dem Abgang von Zlatan Ibrahimovic für beendet. Der Rest setzt noch auf den klassischen Mittelstürmer.

Doch auch das ist erfolgreich, wie Chelsea am Mittwoch beim 4:1 bewiesen hat. Das Neue muss nicht immer das Richtige sein. Die Tore gegen Napoli erzielten Mittelstürmer Didier Drogba, John Terry, Frank Lampard und Branislav Ivanovic, eben die alte Garde.

Ob Chelsea am Freitag ein Wunschlos ist?