Graz. Die turbulenten Ereignisse der vergangenen Tage haben Paul Gludovatz fast noch mehr zugesetzt als die Grippe in den Wochen zuvor. Am Sonntagabend einigte sich der 65-Jährige mit Sturm Graz, am Montagvormittag wurde er offiziell zum künftigen Geschäftsführer der Steirer bestellt, kurz danach folgte die vorzeitige Trennung von der SV Ried und schließlich die Verabschiedung von der Mannschaft. "In den letzten Stunden ist ziemlich viel passiert, jetzt bin ich einfach nur geschlaucht", sagt Gludovatz.

Sein Vertrag in der Steiermark beginnt zwar erst am 1. Juni, so lange dürfte die Auszeit aber nicht dauern. "Wahrscheinlich wird es ab 1. Mai losgehen", vermutet der Burgenländer. Bis Ende März ist der frühere ÖFB-Nachwuchs-Teamchef noch Angestellter der Innviertler. In der 26. Runde am Mittwoch gegen die Admira (20.30 Uhr) wird Gludovatz aber nicht mehr auf der Bank sitzen. Er muss einen Trainer für Sturm finden, auch wenn er - offiziell - keine Gespräche führt, solange er noch nicht Sturm-Angestellter ist.

Keine Einmischung


"Die Entscheidung wird schnell fallen, aber erst, wenn ich im Amt bin", betont Gludovatz, der gemeinsam mit dem neuen Coach den Kader für die neue Saison zusammenstellen wird. "Aber dass ich mich in die tägliche Trainingsarbeit einmische, kann ich mir nicht vorstellen." An gewisse Vorgaben wird sich der Nachfolger von Franco Foda schon halten müssen. "Ich habe alle Kompetenzen im sportlichen Bereich und kann mich in dem vom Aufsichtsrat gesteckten finanziellen Rahmen frei bewegen."

Groß ist dieser Rahmen freilich nicht, Sturm muss den Kader reduzieren und sparen. "Mein Ziel ist es, mit weniger gleich viel zu erreichen." In der kommenden Saison ist ein internationaler Startplatz das Ziel - heuer wird es mit diesem langsam schwer. Mittel- bis langfristig wünscht sich Gludovatz ein System, das von den Nachwuchs-Auswahlen bis in die Kampfmannschaft praktiziert wird.

Von seinem neuen Arbeitgeber ist der Burgenländer schon seit langem beeindruckt. "Sturm Graz hat in den zweieinhalb Jahrzehnten, in denen ich ÖFB-Nachwuchstrainer war, die größten Talente und viele Spieler fürs Nationalteam hervorgebracht." Ein klassischer Ausbildungsverein sei Sturm aber nicht. "Das ist der falsche Ausdruck. Wir haben auch den Anspruch, international zu spielen."