• vom 21.05.2010, 18:49 Uhr

Fußball


Solange man Erfolg hat, ist alles o.k. - Migranten im heimischen Fußball

"Ivo, jetzt bist Du ein richtiger Österreicher"




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Von Bernhard Baumgartner

  • Zwei Koffer voller Namen stehen am Beginn der Ausstellung "Heimspiel: Auswärtsspiel" im Museum Arbeitswelt Steyr. In den Behältnissen befinden sich 1200 Namenskärtchen - so viele Spieler nicht-österreichischer Herkunft gab es seit dem Zweiten Weltkrieg im österreichischen Fußball.

Radan Lukic kam aus Bosnien auf die Trainerbank bei Vorwärts Steyr. Foto: MAS

Radan Lukic kam aus Bosnien auf die Trainerbank bei Vorwärts Steyr. Foto: MAS

Radan Lukic kam aus Bosnien auf die Trainerbank bei Vorwärts Steyr. Foto: MAS

Radan Lukic kam aus Bosnien auf die Trainerbank bei Vorwärts Steyr. Foto: MAS Radan Lukic kam aus Bosnien auf die Trainerbank bei Vorwärts Steyr. Foto: MAS

Nicht umsonst nennt die "New York Times" den Fußball das "globalisierteste Phänomen auf diesem Planeten". Von den 500 Spielern, die in ein paar Wochen bei der WM in Südafrika antreten, spielt nur eine Minderheit bei Klubs im eigenen Land.


Und die Spieler haben dabei zumindest auf heimischem Boden Glück: Weil ihre Profession der Fußball (und somit ein angesehener Sport) ist, nennt man sie nicht wie sonst "Ausländer". Beim Sport ist der Ausländer "Legionär". Das klingt nach Kämpfer, Mitstreiter, Tapferkeit. Nicht nach Arbeitsmigration,

Sozialhilfe, Problemviertel. Und dennoch sind die Legionäre keineswegs vor jedem typischen Migrantenschicksal sicher, das da lautet: Vorurteile, Ablehnung, Ausgrenzung.

Dem Schicksal der Legionäre im heimischen Fußball widmet das Museum diese leider räumlich und inhaltlich recht überschaubare Sonderschau. Eine fiktive Mannschaft aus elf Spielern hat man zusammengestellt mit Größen von einst und jetzt. Jeder von ihnen erzählt eine eigene Geschichte und gibt damit Einblicke in die österreichische Seele.

Etwa Béla Guttmann, der in der Zwischenkriegszeit bei Hakoah spielte und nach dem Krieg Spitzenvereine wie Benfica Lissabon trainierte. In Österreich hatten ihn noch in den Sechzigern antisemitische Kommentare zum Rückzug als Nationaltrainer bewogen. Oder Attila Sekerlioglu, der als Sohn von Migranten der ersten Generation so wie viele Österreicher war. Und doch war er die ganzen Achtziger Jahre lang nur einer von zwei Spielern mit türkischen Wurzeln.

Der Pass reicht nicht

Ivica Vastic wiederum, der von Split nach Wien kam, machte seine eigenen Erfahrungen damit, ab wann man Österreicher ist. Obwohl er seit 1996 österreichischer Staatsbürger war, titelte die "Krone" 1998 bei seinem WM-Tor gegen Chile "Ivo, jetzt bist Du ein echter Österreicher". Ein Pass alleine reicht manchen offenbar als Österreicher-Nachweis noch immer nicht aus. "Ich glaub aber nicht, dass das böse gemeint war", meint Vastic.

Gedanken zur Integration durch Erfolg macht sich in der Ausstellung auch Radan Lukic, der aus Bosnien kam und bei Vorwärts Steyr zur Legende wurde: "Solange Du ein guter Fußballer bist, ist alles o.k. Erst wenn Du nicht mehr gebraucht wirst, kommen die anderen Dinge", sagt er in einem Interview, das im Rahmen der Ausstellung zu sehen ist.

Von einer zünftigen Begrüßung in Österreich weiß auch die einzige Spielerin der Schau zu erzählen: Rosana dos Santos Augusto kam aus São Paulo zum österreichischen Meister Neulengbach. Nach den ersten zwei Spielen war sie mit blauen Flecken übersät: "Ich habe gedacht, das stehe ich nicht durch." Die Damen hatten sie als Zielscheibe für körperbetonte Spielweise auserkoren. Eine gute Schule für die US-Liga.

Eine interessante Schau, die auf halbem Wege stecken blieb. Hier wäre mehr möglich - und Vertiefung bei der Bedeutung des Thema angebracht gewesen.

Ausstellung

Heimspiel : Auswärtsspiel

Museum Arbeitswelt Steyr

bis 30. September



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2010-05-21 18:49:28
Letzte Änderung am 2010-05-21 18:49:00

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