Barcelona. Es ist eine Besonderheit der spanischen Liga, dass man mit einer Bilanz von sechs Remis und drei Niederlagen keine Chancen mehr auf den Titel hat. In Deutschland, England, Frankreich und Italien wäre der FC Barcelona Erster und in Österreich schon seit Wochen Meister. Durch das 1:2 gegen Real im heimischen Camp Nou ist die Primera División aber praktisch entschieden. Vielleicht hätte Barcelona nicht einmal ein Sieg gereicht, doch nun hat Real dazu auch die Genugtuung, die dominierende Mannschaft der vergangenen Jahre bezwungen zu haben. Andernfalls wäre es ein Meisterschaftsgewinn mit der Fußnote geworden, dass es Barcelona durch ein paar Remis gegen schwächere Teams selbst vergeigt hätte.

Die Besonderheit der europäischen Bewerbe ist dagegen eine altbekannte: Bei nur Hin- und Rückspiel setzt sich mitunter die glücklichere, nicht die bessere Mannschaft durch. Und wer im Halbfinal-Hinspiel der Champions League bei Chelsea das glücklichere Team war, lässt sich aus der recht einseitigen Verteilung der Großchancen zugunsten Barças recht deutlich herauslesen. Und noch eine altbekannte Besonderheit des Europacups: Gelingt Chelsea nach dem 1:0 daheim auswärts ein Treffer, muss Barcelona aufgrund der Auswärtstorregel zumindest drei Tore erzielen, um ins Finale einzuziehen.

Messi fehlte beim Training

Die Partie am Dienstag (20.45 Uhr/SF2) wird für Lionel Messi die 55. in dieser Saison sein, nur in drei davon wurde er eingewechselt, und wenn er in der Startformation stand, spielte er auch durch. Kein Mitspieler hat so viele Matches bestritten, und auch bei Chelsea hat Dauerläufer Ashley Cole als am öftesten eingesetzter Feldspieler der Londoner zehn Partien weniger absolviert.

Am Tag nach dem Clásico hat sich Messi dann auch vom Training entschuldigen lassen, er fühlte sich schlecht. Am Dienstag soll er aber einsatzfähig sein.

Doch für Barcelona stellt sich nicht nur die Frage, ob Messi spielen kann, sondern auch, wie er spielen kann. Dass er ein wenig überspielt ist, war gegen Chelsea und Real offenkundig. Im Gegensatz zu den meisten seiner Teamkollegen hatte er im vergangenen Sommer auch die Copa América bestritten und deshalb kaum Urlaub.

Die in Spanien als "Messidependencia" bezeichnete Abhängigkeit Barcelonas von seinem Star ist eine Besorgnis in der katalanischen Presse. Auch, weil Messis Teamkollegen zuletzt nicht mit Effektivität vor dem Tor geglänzt haben. Ändert sich daran im Rückspiel nichts, drohen Barcelona drei sieglose Partien hintereinander. Man würde wohl von einem Fiasko sprechen und schreiben. Anders betrachtet hat Barcelona nach wie vor die Chance, fünf von sechs Titeln in dieser Saison zu gewinnen. Egal, ob Spanien, Deutschland oder Italien: Das wäre jedenfalls eine Besonderheit.