Barcelona. Hätte Pep Guardiola noch ein paar Haare mehr, er wäre wohl in den vergangenen Tagen aus dem Raufen nicht herausgekommen. Zuerst hatte sein FC Barcelona das Hinspiel des Champions-League-Halbfinales gegen Chelsea trotz haushoher spielerischer Überlegenheit mit 0:1 verloren, dann das Prestigeduell gegen Real Madrid mit 1:2, dann wurde er beinahe täglich mit Fragen nach dem Heraufdräuen der Glanz-Ära Barcelonas konfrontiert. Guardiola, dessen Mannschaft als erste seit Bestehen der Champions League den Titel erfolgreich hätte verteidigen wollen, reagierte zunehmend genervt darauf, doch die Angespanntheit vor und während des Rückspiels gegen Chelsea in Barcelona war ihm deutlich anzumerken.

Barcelona (l. Sergio Busquets, gegen Didier Drogba) hatte gegen Chelsea das Nachsehen.
Barcelona (l. Sergio Busquets, gegen Didier Drogba) hatte gegen Chelsea das Nachsehen.

Und wen sollte es auch wundern? Das Heimspiel in Barcelona, bei dem Guardiola noch mehr auf Offensive setzte, falls das überhaupt möglich ist, wirkte zunächst wie ein Spiegelbild der ersten Begegnung: Barça dominierte nach Belieben, verzeichnete schon in der dritten Minute durch Messi den ersten Torschuss, setzte sich am Strafraum der Londoner fest - und blieb wieder lange ohne Abschluss. Nach einer Viertelstunde setzte es dann zudem eine ordentliche Schrecksekunde, als Torhüter Victor Valdés nach einem Chelsea-Konter quasi in Verteidiger Gerard Piqué hineinsprang und dieser kurz benommen liegen blieb. Piqué spielte zwar nach einer kurzen Unterbrechung weiter, musste aber zehn Minuten später vom Feld genommen werden. Für ihn kam Dani Alves, der zunächst überraschend auf der Bank gesessen war. Dem Spielfluss von Barcelona tat das allerdings keinen Abbruch. Die Katalanen kombinierten und spielten auf engstem Raum gegen den Chelsea-Abwehrriegel Chance um Chance heraus - und wieder blieb das Tor verriegelt.

Die Erleichterung im Nou Camp muss grenzenlos gewesen sein, als Sergio Busquets in der 35. Minute nach einem Pass des jungen Isaac Cuenca auf 1:0 stellte. John Terry und Andrés Iniesta vergrößerten diese weiter, der eine, weil er sich mit einer Tätlichkeit quasi selbst aus dem Spiel nahm, der andere, weil er auf 2:0 erhöhte (43.). Doch wer geglaubt hätte, damit wäre die Partie gelaufen, der irrte. Noch vor der Pause stellte Ramires mit einem Heber über Valdés auf 1:2.

Messi vergibt, Torres trifft

Und so wie die erste Hälfte endete, begann auch die zweite: mit einem enormen Dämpfer für die Titelverteidiger. Messi, über dessen Apathie in den vergangenen Tagen so viel geschrieben worden war, der auch diesmal bemüht, aber bei weitem nicht so spritzig wie an seinen besten Tagen war, vergab einen Elfer nach einem Foul von Drogba an Fàbregas (49.). Die Katalanen blieben danach zwar ihrem gewohnten offensiven Kombinationsspiel treu, doch die bisweilen als Altherrentruppe verspotteten Londoner hielten zu Zehnt überraschend gut dagegen. Mehr noch: Sie kamen selbst vermehrt zu Chancen. Und in der 91. Minute setzte der eingewechselte Fernando Torres, der schon als Millionenflop gegolten hatte, mit dem 2:2 den Schlusspunkt hinter eine denkwürdige Partie. Und hinter die Bemühungen Barças, den vermeintlichen Fluch, der auf dem Champions-League-Sieger in der Folgesaison lastet, auszutreiben.