Barcelona. (sir) Als Fernando Torres in der 92. Minute eines seiner raren Tore schoss, faltete sich Lionel Messi zusammen und zog sich das Trikot über den Kopf. Er hat geweint, wollen katalanische Journalisten gesehen haben. Messi hatte es ja auch zweimal auf dem Fuß, seine Mannschaft ins Finale der Champions League zu schießen. Beim Elfer traf er die Latte, mit einem Schuss aus 17 Metern die Stange. Als habe ein Fluch auf ihm gelegen.

Doch auch seine Teamkollegen hatten in den beiden Partien Chancen, viele Chancen: Tello, Sergio Busquets, Alexis Sánchez, Xavi, Cesc Fàbregas, Carles Puyol. Eigentlich war nur Víctor Valdés für Chelsea ungefährlich. Doch der ist Torwart. "Ich weiß nicht, wie ich den Spielern erklären soll, dass wir nicht im Finale sind", sagte Pep Guardiola. Der stets sachliche Trainer des FC Barcelona war nach dem Spiel sehr emotional. Und das ist wohl auch verständlich, denn dieses 2:2 war mehr als nur ein Ausscheiden, es stellt seine utopistische Idee vom Fußball infrage.

"Vielleicht", sagte Guardiola, "ist das eine Lektion, die ich lernen muss. Dass wir nicht so offensiv spielen, sondern zurückhaltender sind." Doch sein Team könne nicht auf verschiedene Weisen agieren. "Wir haben eine sehr eigene Art zu spielen, und der Gegner stellt sich darauf ein."

Der längst in den Genen des Klubs festgeschriebene Stil des FC Barcelona, der sich unter Guardiola zu Perfektion entfaltete, lässt keine große taktische Flexibilität zu. Anders bei Chelsea. Didier Drogba überzeugte als Außenverteidiger, und Frank Lampard spielte alles vom Vorstopper bis zum Libero.

"Wir sind traurig"

Chelsea bewies, dass die im Fußball gängige Beschreibung, eine Mannschaft habe mit zehn Mann im eigenen Strafraum verteidigt, keine ironische Überhöhung sein muss. In den letzten 20 Minuten der Partie war es tatsächlich so, da zogen sich die Engländer fast bis zum Fünfer zurück, wodurch sich aber ein sagenhaftes, fast absurdes Spiel entwickelte.

"Ja, wir sind traurig, auch wenn es nicht unsere bitterste Nacht ist", sagte Guardiola, eingedenk des Scheiterns vor zwei Jahren gegen das Inter Mailand des José Mourinho. Bei beiden Begegnungen hatte Barcelona viel Pech, gegen Chelsea etwa vier Stangenschüsse. Doch es ist dieses Déjà-vu des Grauens, das dem FC Barcelona so zu schaffen macht. Einmal so zu scheitern, ist irgendwie verschmerzbar. Aber zweimal? In der Stunde der Enttäuschung ging es dann auch den katalanischen Journalisten durch. In der Tageszeitung "Sport" wurde Chelsea als "geizige, feige, elende" Mannschaft bezeichnet, die eines so schönen Bewerbs wie der Champions League unwürdig sei.

In London wird man das anderes sehen, auch wenn selbst das Boulevardblatt "Mirror" feststellte: "Das hätte einfach nicht passieren dürfen. Nicht gegen Barcelona im Nou Camp. Nicht mit zehn Mann gegen das beste Team des Planeten." Um zum zweiten Mal nach 2008 ins Endspiel einzuziehen, bedurfte es für Chelsea aber sehr viel Glück und einer hundertprozentigen Chancenausbeute. "Fußball ist halt so. Das beste Team gewinnt nicht immer", sagte Fernando Torres.

Doch wird Barcelona das beste Team bleiben? Innerhalb der so perfekt funktionierenden Mannschaft sind zuletzt einige Konflikte zutage getreten. Und dann ist da noch die ungeklärte Zukunft von Pep Guardiola, der aber nach der Partie ankündigte, in den kommenden Tagen mit dem Vereins-Präsidenten über seine Zukunft zu sprechen. Trotz des Scheiterns hatten ihn die Fans besungen. Ob ihn dies beeinflussen könnte, zu bleiben? "Ich denke, ja", sagte Guardiola. Jetzt, nach so einer Nacht, kann er Barcelona einfach nicht verlassen. Und wenn er sein Bleiben verkünden sollte, dann wird er dieses Spiel fast vergessen machen.