Rastatt. Deutschlands Teamchef Joachim Löw hat am Montag die 27 Spieler für seinen vorläufigen Kader für die Europameisterschaft genannt. Zum deutschen Aufgebot gehören überraschend auch Torhüter Marc-Andre ter Stegen von Borussia Mönchengladbach und der erst 18-jährige Julian Draxler von Schalke 04. Bis zum 29. Mai muss Löw seine Auswahl auf 23 Spieler reduzieren. "EM heißt, dass jeder Spieler bis zur letzten Stunde um seinen Platz kämpft", sagte Löw bei der Nominierung in Rastatt.

Die Vorbereitung der deutschen Nationalmannschaft auf das Turnier in Polen und der Ukraine beginnt am Freitag mit einem einwöchigen Trainingslager auf Sardinien. Fehlen werden dann noch die 13 Profis der Cup-Finalisten Borussia Dortmund und Bayern München sowie die Legionäre Mesut Özil, Sami Khedira und Miroslav Klose. Nach einer Woche auf Sardinien zieht der DFB-Tross am 18. Mai ins Camp nach Südfrankreich um. Am 31. Mai steht die Generalprobe in Leipzig gegen Israel an, bevor am 4. Juni das EM-Quartier vor den Toren Danzigs bezogen wird.

Die acht Bayern-Spieler um Teamkapitän Phillip Lahm werden wegen des Champions-League-Finales am 19. Mai gegen Chelsea und des Klub-Spiels gegen die Niederlande (22. Mai) erst rund zwei Wochen vor dem EM-Auftakt am 9. Juni gegen Portugal in die Vorbereitung einsteigen. Deshalb nominierte Löw mehr Akteure als die 23 erlaubten EM-Spieler. Im Aufgebot stehen auch die zuletzt lange verletzt gewesenen Stammkräfte Klose und Per Mertesacker. Draxler war noch nie in einem Kader der A-Mannschaft und kann nun zu einem der jüngsten deutschen EM-Spieler werden. "Die Spieler sehnen sich nach einem großen Erfolg", sagte Löw. "Wir gehen gut vorbereitet in das Turnier", meinte er, schränkte aber auch ein: "Als Top-Favorit sehe ich uns nicht."

Spieler dürfen Kritik üben

Am Rande der Kaderbekanntgabe äußerte sich Löw auch zur politischen Situation in der Ukraine und sagte seinen Spielern bei Kritik am EM-Ausrichter Rückendeckung zu. "Ich bin der tiefsten Überzeugung, dass Menschenrechte eines unserer höchsten Güter sind", erklärte Löw. Selbstverständlich müssten Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, ein Schutz für Minderheiten und ein "humanitärer Umgang mit Frau Timoschenko" beobachtet werden. "Egal wo, ob in China oder Nordkorea oder der Ukraine."

Einen Boykott der EM halte er aber "nicht für sinnvoll". Da das Turnier im Fokus der Weltöffentlichkeit stehe, sei es jedoch eine gute Möglichkeit, dass "Dinge diskutiert werden". Seine Spieler dürften selbstverständlich ihre Meinung äußern - so wie es Philipp Lahm zuvor getan hatte. Der DFB-Kapitän hatte erklärt, dass er seine Ansichten unter anderem zu demokratischen Grundrechten in der derzeitigen politischen Lage in der Ukraine nicht wiederfinde und klare Worte von der Uefa gefordert. Deutschland bestreitet die Gruppenpartien gegen Portugal und Dänemark in Lwiw, das Spiel gegen die Niederlande findet in Charkiw statt.