Bukarest/Madrid. (art) Sein Mitspieler Juanfran wusste um das Erfolgsgeheimnis von Radamel Falcao Bescheid: "Er hat einfach die Tore im Blut", bemerkte er. Umgekehrt wäre es ja auch irgendwie blöd. Jedenfalls schafft es Falcao derzeit wie kaum andere, die Bälle im Netz unterzubringen: Nicht nur im Stile eines Stürmers, der halt immer goldrichtig steht und den Fuß hinhält, sondern, indem er Wucht mit Eleganz vereint. Das 1:0 im Europa-League-Finale für Atlético Madrid gegen Athletic Bilbao war so etwas wie ein Gesamtkunstwerk: Zuerst nahm er einen Lochpass von Diego an, dann tankte er sich rechts in den Strafraum, ließ einige Verteidiger ziemlich blöd ausschauen, dann machte er noch einen Schritt zur Seite, legte sich den Ball auf den linken Fuß, als hätte er jede Menge Zeit, und schlenzte den Ball mit Gefühl ins linke Eck. Beim 2:0 trickste er die Defensive noch einmal aus und schoss trocken ein. Die Europa League war zu diesem Zeitpunkt schon für Atlético entschieden, Diego sorgte in der Schlussphase noch für das 3:0.

Auch der Brasilianer sprach danach in den höchsten Tönen von Falcao. "Er ist einer der besten Stürmer in Europa, es ist ein Vergnügen, mit ihm zusammenzuspielen", sagte er über den kolumbianischen Stürmer, den auch die Medien mit Lobeshymnen huldigten. "Radamel, Radamel, Radamel - ich liebe dich", titelte die in Madrid ansässige Sportzeitung "Marca".

Radamel Falcao hat sich jedenfalls in Windeseile in die Gunst des Publikums gespielt, auch Kronprinz Felipe, der den Weg ins Bukarester Nationalstadion angetreten war, soll begeistert gewesen sein. Dabei erinnerte der Kolumbianer, der erst seit 2009 in Europa spielt, an die Anfangszeit bei Atlético: "Viele haben gedacht, dass es ein Fehler war, als ich hierher gekommen bin. Ich habe auf den Moment gewartet, um diesen Leuten zu zeigen, dass sie es waren, die falsch gelegen sind."

Umworben von den Großen

Denn Falcao hat alles richtig gemacht, hat sich nach 2011, als er mit Porto die Europa League und die Torschützenkrone in diesem Bewerb gewann, wieder beide Titel gesichert. Nach zwölf Treffern in dieser Saison hält der 26-Jährige bei insgesamt 29 Toren in 29 Europa-League-Spielen. In Spanien kommt er mit 23 Saisontoren zwar nicht an die Marken von Lionel Messi (50) und Cristiano Ronaldo (45) heran, das dürfte aber weniger an ihm selbst, denn an der jeweiligen Mannschaft liegen.

Schon die kommende Saison könnte in dieser Hinsicht eine Änderung mit sich bringen. Sollte sich Atlético, vor der letzten Runde Fünfter der Primera División, nicht für die Champions League qualifizieren, könnte Falcao schnell wieder weg sein. Die Großklubs haben bereits mehr als deutlich angeklopft, dazu kommt, dass Falcao denselben Manager wie Real-Trainer José Mourinho und Cristiano Ronaldo hat. Er selbst denke derzeit ausschließlich an Atlético, beteuert er. Doch selbst sein Trainer Diego Simeone, der erst seit Weihnachten beim Verein ist und ebenfalls ein wichtiger Faktor für den Erfolg wurde, macht sich keine Illusionen: "Wenn er weggeht, freue ich mich über alles, was gut für ihn wäre." Daran, dass er auch bei einem Großklub reüssieren könnte, hat er keinen Zweifel: "Er hat nach oben hin keine Grenzen." Und sollte Falcao tatsächlich wieder gehen, kann sich der Verein trösten. 40 Millionen Euro blätterte er im Sommer für den damaligen Porto-Star hin, nach der nunmehrigen Saison liegt sein Marktwert um die Hälfte darüber.