Graz. Der Vergleich ist aufgelegt: ein junger, dynamischer Trainer, flotte Sprüche, ostentativer Tatendrang, einst bei Borussia Dortmund unter Vertrag, und dann noch ständig dieses eine Wort: "geil". Peter Hyballa, 36, geboren in Bocholt an der niederländischen Grenze und ab kommender Saison Sturms neuer Trainer, hat doch etwas von Jürgen Klopp, dem Dortmunder Meistermacher. "Ich lese oft, dass ich ein Klopp-Klon bin. Das Einzige, das Jürgen und ich gemeinsam haben, ist, dass wir beide oft schlecht rasiert sind", sagt Hyballa.

Doch wie Klopp kann man wohl auch Hyballa zu jener neuen Generation von Trainern zählen, die keine internationale Spielerkarriere hatten, die schon sehr früh als Trainer gearbeitet haben, und die in allen ihren Handlungen auf Offensive setzen. Eben auch, was die Kommunikation mit der Öffentlichkeit betrifft.

Bei Aachen kein Glück

"Ich habe Bock auf Trainer sein, richtig Lust drauf und kann eine Mannschaft nach vorne bringen", sagt Hyballa, der mit 22 Jahren bei seinem Heimatklub als Trainer im Nachwuchs begann, zu Münster, Bielefeld und Wolfsburg wechselte und schließlich drei Jahre die U19 von Dortmund betreute. Dort führte er das Team um Mario Götze ins Meisterschaftsfinale. Als Entdecker von Götze sieht er sich deshalb nicht. "Da habe ich ein bisschen an ihm herumgeschraubt. Ein Spieler hat so viele Trainer, bis er ein Großer ist, ich war halt einer davon."

Vor zwei Jahren nahm Hyballa ein Angebot an, erstmals als Cheftrainer im Profibereich zu arbeiten. Doch nach nur etwas mehr als einer Saison wurde er bei Aachen beurlaubt, woraufhin er zu Salzburgs zweitem Team in die Regionalliga ging. Nun kam der Anruf aus Graz. Sportchef Paul Gludovatz erklärt die Beweggründe, weshalb die Wahl auf Hyballa gefallen ist: "Seine bisherige Arbeit mit der Jugend, dass er Sturm auch als Karriereplattform sieht, seine Arbeit bisher im Profibereich und seine Kommunikations- sowie Teamfähigkeit."

Der von Hyballa angekündigte Offensivfußball passt auch zu den Grazern, schon allein aufgrund des Vereinsnamens. "Sturm muss eine eigene Identität finden und offensiver und risikofreudiger spielen. Ich möchte, dass die Fans im Stadion aufstehen und begeistert sind", sagt der neue Trainer, der erst in den kommenden Wochen sein gesamtes Betreuerteam zusammenstellen wird. Dieses sei, sagt Hyballa, viel wichtiger als der Trainer. "Darum werde ich mir dieses Team gut aussuchen."

Keine Waldläufe

Über seine Trainingsphilosophie sagt Hyballa selbst: "Ich weiß schon, dass Krafttraining wichtig ist, aber wir spielen jedes Wochenende elf gegen elf mit dem Ball auf dem Rasen, also trainieren wir auch so viel wie möglich mit dem Ball. Zu Waldläufen sage ich, dass man im Wald Pilze findet, gutes Spiel lernst du im Training nur auf dem Platz." Langweilig wird den Kickern unter Hyballa vermutlich nicht werden, auf ihn trifft jene Zuschreibung zu, mit der auch Jürgen Klopp beschrieben wird: Hyballa ist ein Fußball-Verrückter.

Es war Gludovatz, dem Hyballa einfiel und der ihn zuerst kontaktierte. "Von Gespräch zu Gespräch sind es immer mehr Leute geworden. Das war richtig geil, und ich habe ein gutes Gefühl für den Verein entwickelt", sagt Hyballa. Und noch einmal: Er werde "für diesen geilen Klub" Vollgas geben.

Sturm wird sich in der kommenden Saison aber nicht nur abseits des Spielfeldes anders präsentieren, auch im Kader stehen größere Umbauarbeiten bevor. Die Verträge von 13 Spielern enden in diesem Sommer, und vermutlich wird nur einer, Mario Haas, bleiben. Joachim Standfest müsste einem schlechter dotierten Vertrag zustimmen, wenn er bleiben will. Unter den Abgängen findet sich auch jener Spieler mit den meisten Einsatzminuten: Verteidiger Thomas Burgstaller. Die Zukunft von Rubin Okotie ist noch ungewiss.