Salzburg. Die Zukunft begann in Salzburg mit 17 Minuten Verspätung. So etwas Profanes wie ein Verkehrsunfall im Kreisverkehr zur Stadionzufahrt konnte die Präsentation der neuen Strukturen bei Fußball-Meister Red Bull Salzburg freilich nur geringfügig aufhalten, aber keineswegs verschieben. Ärgerlich für die Salzburger war es allemal, denn wer keine drei Wochen vor Saisonstart den Laden gänzlich neu sortiert, darf eigentlich keine Minute verlieren.

So war das neue sportliche Führungsduo bei Red Bull - Ralf Rangnick wird Sportdirektor für Salzburg und Leipzig, der bisher in Österreich weitgehend unbekannte Roger Schmidt Cheftrainer in Salzburg - auch darauf bedacht, den ersten Auftritt in der Öffentlichkeit in aller Kürze abzuhandeln. Nach knapp zweiwöchiger Schweigsamkeit von Seiten des Klubs dauerte es dann aber doch 50 Minuten, bis die wichtigsten Fragen geklärt waren.

Dabei ließ sich erstmals seit langem auch ein Mitglied der Führungsriege des Klubs zu einem Auftritt in der Öffentlichkeit herab. Volker Viechtbauer, Vorstand bei Red Bull Salzburg und bei Red Bull Leiter der Rechtsabteilung, stellte der Öffentlichkeit die neuen Strukturen bei Red Bull vor und erklärte, dass es sich quasi um einen spontanen Neustart handelt. "Der Rücktritt von Ricardo Moniz hat uns alle sehr überraschend getroffen. Dieser Wechsel war nicht geplant, hätte aber nicht rascher und nicht besser gelöst werden können, als wir das in den vergangenen zehn Tagen getan haben", sagte Viechtbauer.

Neben Rangnick und Schmidt gibt es bei Red Bull eine weitere neue Personalie. Der französische Ex-Trainer Gérard Houllier darf sich ab sofort mit dem klangvollen Titel Global Sports Director Red Bull Soccer schmücken. Dass man nach dem Abschied von Dietmar Beiersdorfer als Global Head of Soccer vor etwas mehr als einem Jahr eigentlich keine derart gesamtverantwortliche Position mehr vergeben wollte, hat man offenbar wieder vergessen.

Vertraute Töne

Zumindest in Salzburg wird Houllier ohnehin in erster Linie nur beratend tätig sein, dort hat ab sofort Ralf Rangnick das Sagen. Er war zuletzt Trainer bei Schalke 04, wo er im vergangenen September aufgrund eines Burn-Outs zurücktrat. Nun ist er nach eigenem Bekunden frisch erholt und bereit für neue Aufgaben. "Ich fühle mich so gut und so voller Tatendrang wie schon lange nicht mehr", sagte Rangnick bei seiner Vorstellung. In dem 53-jährigen Deutschen glaubt Red Bull nun, den lange gesuchten Fachmann gefunden zu haben. "Als wir uns zum ersten Mal mit Herrn Rangnick getroffen haben, ist uns unser Konzept vorgestellt worden. Es ist nicht so, dass wir dieses Konzept nicht schon gehabt hätten, es wurde bisher nur noch nicht umgesetzt", erklärte Viechtbauer. Auch Rangnick ist überzeugt, dass sich zwei Suchende gefunden haben: "Nach meiner Pause war klar, dass ich nur dann etwas Neues anfange, wenn ich weiß, etwas bewegen zu können. Wenn ich das Gefühle habe, dass der Klub zu mir passt und ich zum Klub passe. Dieses Gefühl habe ich hier gehabt."

Das klingt gleichermaßen verheißungsvoll wie vertraut, schließlich ist eine der wenigen Traditionen, die dieser Klub besitzt, die des Neustarts. In den sieben Jahren, die der Konzern den Klub nun führt, war es bereits der fünfte Neustart. Das sind mehr, als Salzburg in der gleichen Zeit Meistertitel feiern konnte.

Die Ziele bleiben die gleichen, mit Salzburg will man um den Titel mitspielen und "international überraschen", wie Viechtbauer sagt. Die Zweigniederlassung in Leipzig, bei der Peter Pacult Trainer ist und die in ihre mittlerweile dritte Saison in der viertklassigen Regionalliga geht, soll "möglichst schnell aufsteigen". Ob das Personal auch in Leipzig ausgewechselt wird, ist noch offen, zunächst will sich Rangnick um Salzburg kümmern. Schließlich startet in nicht einmal drei Wochen mit der ersten Cup-Runde die Saison, drei Tage später trifft der Meister in der zweiten Runde der Champions-League-Qualifikation auf den luxemburgischen Meister Düdelingen oder Tre Penne, den Meister San Marinos.

Inwieweit der aktuelle Kader den Vorstellungen der neuen sportlichen Führung entspricht, ist noch völlig offen, sowohl Rangnick als auch Schmidt kennen die Mannschaft nur vom Hörensagen. Erste Gelegenheit zum Kennenlernen gibt es im einwöchigen Trainingslager in Leogang, in das die Verantwortlichen gleich nach ihrer Vorstellung mit der Mannschaft abreisten. Dort soll die Zukunft dann wirklich beginnen.