Wien. (sir/apa) Zwei Monate lang war Paul Gludovatz weg. Krankgeschrieben, zurückgezogen, vergangenen Freitag hat der langjährige Trainer dann seinen Vertrag als Sportchef bei Sturm Graz aufgelöst. Doch nur drei Tage später war Gludovatz wieder in der Öffentlichkeit, er saß bei ServusTV im Hangar 7 und erklärte bester Laune: "Ich bin zu hundert Prozent wieder da. Das ist eine Drohung."

Ob er bei Sturm in anderer Funktion weitermacht, ist noch nicht entschieden, ein Angebot hat er jedenfalls vorliegen. Doch den Sportchef kann der 66-Jährige nicht mehr geben. Erstmals nach seinem Krankenstand erklärte Gludovatz die Gründe für seinen Rückzug. "Ich habe bis zum Schluss noch hundert Prozent gearbeitet. Noch am Abend davor habe ich bis 22 Uhr gearbeitet. In der Früh ist es einfach nicht mehr gegangen." Gludovatz war erschöpft.

Er hatte innerhalb eines Monats 12.000 Kilometer mit dem Auto zurückgelegt, "mit dem Hintern auf vier Hochzeiten gleichzeitig getanzt", wie er erzählte. Dazu stand er nach der Beurlaubung von Franco Foda von Beginn seiner Tätigkeit an in der Kritik. Nach seinem Wechsel im April von Ried zu Sturm habe er innerhalb kürzester Zeit das schaffen wollen, wofür man normalerweise "drei bis vier Monate" brauche.

Als er Hilfe suchte, habe er erfahren, dass Schlaflosigkeit ein Symptom eines Erschöpfungszustandes sei. "Aber das war für mich ein normaler Zustand", sagte Gludovatz. "Druck ist etwas, das ich mir selbst auferlege, und Stress ist für mich bis dato was Positives gewesen. Ich weiß nicht, ob das zur Erschöpfung geführt hat." Delegieren sei ihm auch immer schwer gefallen, "weil ich die Verantwortung dafür hatte und nicht nur die Kompetenz. Jeder Schritt war für mich wichtig."