Wien. (sir) Es waren nur ein paar wenige, sagt Rapid. In einer Aussendung ist wörtlich von "Verfehlungen eines Teils der mitgereisten Fans" zu lesen. Und tatsächlich waren es ja keine Hundertschaften, die sich Schlachten geliefert hätten, es waren eben ein paar wenige, die Feuerwerksraketen in benachbarte Sektoren geschossen haben. Damit hatten die Ausschreitungen im Stadion angefangen. Doch es sind eben immer nur paar wenige.

Die Uefa hat vor einigen Jahren eine Null-Toleranz-Politik ausgerufen und folglich auch Rapid und Paok Saloniki mit den Höchststrafen für die Ausschreitungen beim Hinspiel (2:1) vor einer Woche sanktioniert. Paok muss 150.000 Euro zahlen, Rapid die Hälfte. Die Griechen erhalten zudem drei Spieler unter Ausschluss der Öffentlichkeit, Rapid eines. Aufgrund von Einspruchsfristen - beide Klubs kündigten Protest an - ist das Rückspiel am Donnerstag (20.45 Uhr) nicht betroffen.

Vor etwas mehr als zwei Jahren war die Austria ebenfalls mit einem Geisterspiel bestraft worden, als ein Platzsturm gegen Bilbao nur knapp verhindert werden konnte und die Partie für 20 Minuten unterbrochen werden musste. Die Austria war damals allerdings Veranstalter und die Geldstrafe betrug vergleichsweise moderate 20.000 Euro.

Sollte Rapid am Donnerstag das 1:2 gegen Paok wettmachen und in die Europa League aufsteigen, wäre wohl das erste Gruppenspiel in Wien von der Sperre betroffen. Da die Uefa nur ein Stadion als Austragungsort akzeptiert, müsste Rapid auch dieses Spiel im Happel-Stadion austragen. Der finanzielle Verlust für den Wiener Klub könnte im hohen sechsstelligen Bereich liegen, vielleicht sogar die Millionengrenze übersteigen.

Da Rapid jedes Jahr auf Zusatzeinnahmen, entweder durch internationale Partien oder Spielerverkäufe, angewiesen ist, trifft die Strafe den Klub hart. Schon als die Uefa Rapid mit dem Strafrahmen betraut machte, sprach Rapid in einer Aussendung von "existenzbedrohenden Konsequenzen".

In der zweiten Instanz können die Vereine nun bei der Uefa vorsprechen, um etwa mildernde Umstände herauszuverhandeln. Allerdings hat die Uefa zuletzt fast durchwegs ihre erstinstanzlichen Sprüche bestätigt.

Im Rahmen der Euro 2012 hatte die Uefa fast täglich Strafen gegen Verbände wegen Fehlverhalten von Fans ausgesprochen. Natürlich waren es auch dort nur einige wenige. Der DFB hatte sogar zahlen müssen, weil Fans Papierkugeln geworfen haben, bei Russland und Kroatien waren wiederum bengalische Feuer im Fansektor zu sehen, außerdem gab es vereinzelt rassistische Ausfälle.

Wie die Beispiele der Euro zeigen, zieht die Uefa keine Grenze bei der Verantwortlichkeit. Und das ist für Rapid vor dem Rückspiel wie eine Guillotine, die über dem Verein schwebt. Denn bei erneuten Vorfällen droht Rapid der Ausschluss aus dem Europacup.

Zwar hat sich nur eine kleine Fangruppe aus Saloniki angekündigt, doch es sollen mit Paok befreundete Fans von Partizan Belgrad nach Wien reisen. Und angesichts der Vorfälle im Hinspiel ist die Stimmung potenziell explosiv. Die Polizei erwartet einen "heißen Abend", und sollte das passieren, muss Rapid Schlimmstes befürchten.