Wien. Marcel Koller hat eine "gute Nachricht", wie er sagt: Der angeschlagen gewesene Martin Harnik steigt nämlich wieder ins normale Training ein. "Jetzt können wir im mannschaftstaktischen Bereich arbeiten", sagt der Teamchef. Dem 25-jährigen Harnik kommt im WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland am Dienstag eine Schlüsselrolle zu. "Jeder, der schnell ist und mit dem Ball umgehen kann, kann ein Schlüsselspieler für uns sein", erklärt Koller, der auf den täglichen Pressekonferenzen wortreich versucht, nichts zu verraten.

Doch dass Harnik sehr wichtig für das taktische Konzept des Schweizers ist, darf angenommen werden. Die herausragende Qualität des Stuttgart-Legionärs ist seine Schnelligkeit in Verbindung mit dem richtigen Timing für seine Sprints. Immer wieder gelingt es Harnik dadurch, sich von den Bewachern zu lösen und in den Raum hinter den Verteidigern zu gelangen. Gegen Deutschland wird das wohl ein Ansatz sein, da das Team von Jogi Löw mit seiner Abwehrreihe immer sehr hoch steht und dadurch viel Raum hinter der Viererkette lässt. Bei der EM konnten Italien und Griechenland nach gelungenen Pässen über die Abwehr Tore erzielen, Österreich wird es auch versuchen. "Die Umsetzung ist halt das Entscheidende", sagt Koller.

Ganz vorne oder rechts?

Dass Harnik als zuletzt treffsicherster Schütze gegen Deutschland in der Startelf stehen wird, ist nun keine Überraschung. Die Frage aber ist, wo er spielen wird. Gegen die Türkei stellte ihn Koller erstmals als vorderste Spitze auf, allerdings waren Marc Janko und Marko Arnautovic nicht einsatzfähig. "Es ist eine andere Position, weniger laufintensiv, und defensiv muss man nur geschickt laufen und zustellen", sagt Harnik. "Aber es ist nicht leichter, weil man oft den Ball mit dem Rücken zum Tor bekommt."

Harnik stuft den Versuch gegen die Türken zwar selbst als gelungen ein, er holte auch den Elfer zum 2:0 heraus, "aber grundsätzlich glaube ich schon, dass Koller mich als Rechtsaußen plant", sagt er. Auf der Seite, wo er auch bei Stuttgart spielt, kommt auch seine Schnelligkeit besser zum Tragen, wenn er schon mit Anlauf aus der Etappe kommt.

Dass Koller generell mit Marc Janko als Stoßstürmer plant, hat der Teamchef schon häufig betont, doch diesmal ist der eben erst in die Türkei gewechselte Angreifer nur mit einem Kurzeinsatz in den Beinen eingerückt. Er hat wegen einer Verletzung kein Testspiel für Porto gemacht und bei Trabzonspor erst 18 Minuten gespielt. Daher ist es fraglich, ob Koller Janko einen Einsatz von Beginn der Partie schon zutraut. Es wäre eher mutig.

Falls Janko nur auf der Bank sitzt, wäre auch Marko Arnautovic eine Alternative für ganz vorne. Koller hat Arnautovic schon links, rechts und in der Mitte aufgestellt, ganz vorne aber noch nicht. Und für ihn gilt wohl Ähnliches wie für Harnik: Als Stoßstürmer würde man sich eventuell einiger seiner Stärken berauben. Dafür bliebe im offensiven Mittelfeld für Zlatko Junuzovic und Andreas Ivanschitz Platz. Spielt dagegen Janko, müsste einer von den beiden (oder vielleicht gar Arnautovic) auf der Bank sitzen.

"Janko hat seinen konditionellen Rückstand aufgeholt, vielleicht fehlt ihm noch ein bisschen die Spielpraxis. Aber für mich ist das nicht das Entscheidende", sagt Koller. Eine Finte? Oder ein Hinweis auf einen Einsatz von Marc Janko?

Martin Harnik hat seinen Einsatz jedenfalls sicher, so sein Körper nichts dagegen hat. "Ich spüre die Blessur noch ein bisschen, aber das Match ist in keinster Weise in Gefahr", sagt er. Sein Trainer wird es mit Wohlwollen vernommen haben.