Wien. Abpfiff. Applaus. Es war Halbzeit im Match gegen Deutschland, und wie sonst sollten die Fans reagieren, auch wenn ihnen genauso wie den Spielern das 0:1 durch Marco Reus unmittelbar vor der Pause unschön in die Glieder gefahren sein dürfte. Da hatte Österreich mehr Chancen, eine richtig gute Leistung gezeigt, doch dem Ergebnis ist das eben egal. Und wie man hörte auch vielen Tausenden Fans, die der Mannschaft akustische Anerkennung zollten.

Die Spieler hatten vor dem Auftakt in die WM-Qualifikation durch zuletzt gute Leistungen im Team und bei ihren Vereinen viel versprochen. Das war auch eines der Ziele der Mannschaft, als Marcel Koller vor etwa einem Jahr zum Teamchef bestellt wurde. "Ich will das Land von uns überzeugen", sagte damals Martin Harnik. Er ortete, dass die Fans der ÖFB-Elf trotz lautstarker Unterstützung im Innersten nichts zutrauen.

Zumindest taten die 47.000 Zuschauer im ausverkauften Happel-Oval so, als glaubten sie diesmal an die Chance, und die Spieler argumentierten mit einer recht fulminanten ersten Hälfte, dass der Fans Glaube kein Fehler ist. Erstmals lief eine österreichische Nationalelf ein, die ausschließlich durch Legionäre gebildet wurde. Neun davon spielen in der deutschen Bundesliga, bei Gegner Deutschland waren es kurioserweise nur acht Akteure.

Es war in der ersten Hälfte offenkundig, dass in dieser Mannschaft eine große Tat steckt, ein Ergebnis, das als Sensation zu verstehen ist. Nicht unbedingt an diesem Abend, gegen eine der zwei besten Mannschaften der Welt, aber rein prinzipiell. Eine wirklich gute Leistung ist dafür Voraussetzung, aber eben auch Spielglück.

Harnik mit dem Auftakt
Das mit der Leistung haute bereits gegen Deutschland hin. Und wie. Österreich profitierte zwar in den ersten 20 Minuten von einigen Nachlässigkeitsfehlern der Gäste, als etwa Harnik nach vier Minuten allein vor Manuel Neuer auftauchte, doch als die Deutschen die Partie unter Kontrolle zu bekommen schienen, weit mehr Qualität als zu Beginn zeigten, schlugen die Österreicher mit drei Chancen en suite zurück. Es war eine unerwartete Antwort auf die Dominanz der Deutschen.

Auch wenn die Deutschen durch den offensiven Linksverteidiger Marcel Schmelzer Marco Arnautovic gut binden konnten, gelang es den Österreichern immer wieder, gefährlich zu werden und sich sogar vor der Pause ein Chancenplus zu erspielen.

Aber da kam dann eben ein neben der Leistung zweiter, entscheidender Faktor ins Spiel: Das Glück. Alaba-Ersatz Veli Kavlak bekam den Ball an die Ferse, dann kam noch Emanuel Pogatetz um wirklich den Bruchteil einer Sekunde gegen Reus zu spät, dessen Schuss von Keeper Robert Almer an die Stange gelenkt wurde. Leider nur die Innenstange. Das gut funktionierende Pressing, der Einsatz, der Mut, es wurde nicht belohnt, bloß von den Zuschauern honoriert. Fast schon sinnbildlich war ein Steilpass von Zlatko Junuzovic auf Solospitze Harnik - per Fallrückzieher. Nur beinahe kam die Vorlage an.

Arnautovic hatte 2:2 auf Fuß
Als, natürlich unter Applaus, die zweite Hälfte begann, dauerte es nicht lange, da schien die Partie gelaufen. Ein übermotiviertes Heranbrausen von Kavlak in die Beine von Thomas Müller führte zu einem Elfer, den Mesut Özil verwertete (52.). Vor der Pause hatte der Schiedsrichter bei einem Angriff über Harnik nicht gepfiffen. Die Aktion war zwar kein Elfer, aber sah sie so aus. Stichwort Glück.

Dass die Partie dann doch noch einmal spannend wurde, lag an einer erneuten überraschenden Antwort der Österreicher. Arnautovic slalomte erst um Schmelzer herum und passte dann auf Junuzovic, der vor Neuer zum 1:2 traf. Die Deutschen waren sichtbar angeschlagen, hatten vorne fast keine Aktionen mehr. Vielleicht war es auch eine Kraftsache. Und am Ende entschieden nur wenige Zentimeter für sie. Eine Hereingabe des eingewechselten Jakob Jantscher rutschte Arnautovic allein vor Neuer über den Rist. Es wäre das hochverdiente 2:2 gewesen. Und damit schon im ersten Match der WM-Qualifikation, dieses großes Spiel, das sichtbar in dieser Mannschaft schlummert. Stattdessen: Abpfiff. Applaus. What else?