Nyon/Wien. Vielleicht waren die Erwartungen ein bisschen zu hoch, vielleicht sogar ein wenig unrealistisch. Hoffnungsfroh waren Rapid-Präsident Rudolf Edlinger, Klubservice-Leiter Andy Marek und Vereinsjurist Nikolaus Rosenauer nach Nyon gereist, um vor dem Berufungssenat des Europa-Verbandes eine Milderung der Strafe wegen der Ausschreitungen im Europa-League-Qualifikationsspiel gegen Saloniki zu erreichen. Mit leeren Händen mussten sie am Nachmittag wieder die Heimreise antreten. Fazit: Außer Spesen nichts gewesen. Das erstinstanzliche Urteil - ein Geisterspiel, 75.000 Euro Strafe und der Ausschluss aus einem europäischen Bewerb auf Bewährung - wurde vollinhaltlich bestätigt.

Weder der Vortrag der Rapidler noch die Vorlage von Video- und Bildmaterial konnte den Senat überzeugen. Wirklich überraschend ist das allerdings nicht. Das Argument, die Auseinandersetzungen mit den griechischen Fans seien schon vor dem Spiel in der Stadt von diesen ausgegangen, zieht nicht wirklich, schließlich war Saloniki ohnehin noch härter bestraft worden. Und dass die Uefa vor allem in Sachen Pyrotechnik - die Rapidler hatten Leuchtraketen in Richtung des gegnerischen Sektors gezündet - eine Nulltoleranz-Politik verfolgt, ist bekannt.

Trotzdem sagt Präsident Edlinger: "Das ist ein harter Schlag für uns. Wir haben alles versucht, um der Mannschaft und den Fans drei Partien in einem ausverkauften Happel-Stadion zu ermöglichen." Stattdessen findet nun das erste Gruppenspiel gegen Rosenborg Trondheim am kommenden Donnerstag ohne Publikum statt. Auf einen weiteren Rechtsweg - den möglichen Gang vor den obersten Sportgerichtshof CAS - verzichtet Rapid. "Wir müssen leider zur Kenntnis nehmen, dass eine Abänderung des Urteils durch den CAS in keiner Weise zu erwarten ist", sagt Edlinger. So realistisch muss man dann eben doch sein. Die im Vorverkauf erworbenen Tickets für die Rosenborg-Partie können in Gutscheine umgewandelt werden, für die zwei weiteren Gruppenspiele gegen Leverkusen (25. Oktober) und Metalist Charkiw (6. Dezember) startet der Verkauf am Samstag. Rapid prüft nun, ob für das erste Gruppenmatch ein Public Viewing im Hanappi-Stadion angeboten werden kann.

"Wichtig, duchzuatmen"

Nach der Länderspielpause und dem Ausflug nach Nyon müssen sich die Rapidler sportlich aber nun vorerst ohnehin mit dem Alltag namens Bundesliga beschäftigen. In der Tabelle liegt man drei Punkte hinter der Austria, um dem Erzrivalen auf den Fersen zu bleiben und die Konkurrenz auf Abstand zu halten, sind am Samstag (18.30 Uhr) im Heimspiel gegen die zuletzt in vier Partien sieglose Admira drei Punkte Pflicht. Trainer Peter Schöttel glaubt, dass die zweiwöchige Meisterschaftsunterbrechung seiner Mannschaft gut getan hat: "Es war wichtig, die Spannung etwas herauszunehmen und einmal durchzuatmen", sagt er. Nun sei Rapid für den heißen Herbst, in dem in den kommenden drei Wochen inklusive Europacup nicht weniger als sieben Spiele warten, gerüstet: "Jetzt gilt es, mit den Kräften gut hauszuhalten und wenn möglich jede Partie zu gewinnen."

Favorit ist Rapid sowieso (fast) immer, zumal bei der Admira viele Spieler fehlen, meint Schöttel-Pendant Dietmar Kühbauer. "Aber wir sind jetzt nicht rettungslos verloren. Auch wir werden unsere Chancen vorfinden. Dann müssen wir Entschlossenheit zeigen."