Frankfurt. (art) Natürlich sind Wortspiele à la "Eintracht bei Frankfurt" aber sowas von abgedroschen. Doch es stimmt schon irgendwie: Beim Aufsteiger vom Main greift derzeit ein Rädchen ins andere wie bei kaum einem anderen Verein in der deutschen Bundesliga.

Immerhin hat es Meister Borussia Dortmund geschafft, nach sechs Runden schon fünf Punkte Rückstand auf den derzeit Zweitplatzierten aufzureißen, und selbst bei Rekordmeister Bayern München trüben interne Querelen zwischen Sportdirektor Matthias Sammer und Trainer Jupp Heynckes sowie die jüngste Champions-League-Niederlage gegen Bate Borisow die ansonsten sportlich einwandfreien Aussichten. Zwei Punkte liegen die Münchner vor der siebenten Runde am Wochenende, in der sie es mit Hoffenheim zu tun bekommen, vor der Eintracht. Die wiederum wird ungeachtet des Resultats bei Martin Stranzls Arbeitgeber Mönchengladbach am Sonntag (15.30 Uhr) den zweiten Tabellenplatz verteidigen. Zu einem Österreicher-Duell wird es dabei aber eher nicht kommen: Erwin Hoffer muss wohl dem wiedergenesenen Olivier Occean im Angriff Platz machen.

Die Eintracht ist jedenfalls die Überraschungsmannschaft der Stunde in der deutschen Bundesliga, sie hat nicht nur die althergebrachte Hierarchie durchbrochen und mit 16 Punkten aus sechs Spielen einen Startrekord für einen Aufsteiger hingelegt, sondern sowohl innerhalb als auch außerhalb Frankfurts mit frechem Offensivfußball begeistert. Kapitän Pirmin Schwegler und der erst 21-jährige Sebastian Rode fungieren dabei mit erstaunlicher Abgebrühtheit als Taktgeber in einem bisher reibungslos funktionierenden Ensemble - erstaunlich reibungslos, bedenkt man, dass Trainer Armin Veh nach dem Aufstieg den Kader umgekrempelt und vorwiegend mit jungen Talenten aufgefüllt hat. Schließlich musste jeder Euro der insgesamt sieben Millionen, die der Klub investiert hat, zweimal umgedreht werden. Veh macht das nichts aus, er habe sich "die Juwelen aus der zweiten Liga" herausgesucht, sagt er. Damit habe man nun "eine Mannschaft, die sich entwickeln kann - von der Klasse und der Altersstruktur her."

Ziel Klassenerhalt

Immer wieder betont Veh die Perspektiven, die Entwicklungsmöglichkeiten. Bei seiner vorangegangenen Trainerstation, dem HSV, seien diese aufgrund ständiger Personalrochaden und Streitereien in der Führungsebene nicht gegeben gewesen. "Unter diesen Umständen kann man aus meiner Sicht nicht arbeiten", meinte er bei der Ankündigung seines Rücktritts, dem die Hamburger dann nach einem 0:6 gegen Bayern zuvorkamen. Veh, Stuttgarts Meistertrainer von 2007, wagte den Gang in die zweite Liga zu Frankfurt, wo Christoph Daum nach dem Abstieg seinen Sessel geräumt hatte. Und führte den Traditionsklub wieder nach oben.

Dass es aber so schnell ganz nach oben gehen sollte, war für die Verantwortlichen selbst nicht absehbar, weswegen man sich jetzt nicht so ganz sicher bei der Zielsetzung ist. Anders als beim Spielstil gibt sich Veh diesbezüglich eher defensiv, wohlwissend, dass das offensive Spiel auch so seine Tücken hat und schon andere Aufsteiger nach einem starken Start zurückgefallen sind. An der Vorgabe, den Klassenerhalt zu schaffen, ändere sich nichts, betont Veh. Sportchef Bruno Hübner ist da ein wenig forscher: "Ein bisschen", sagt er, vielleicht weniger scherzhaft gemeint, als es klingen soll, "wollen wir schon noch Bayern-Verfolger bleiben." Ein bisserl Unstimmigkeit schadet schließlich auch der Eintracht nicht.