Wien. Der 15. März 1994 hat einen Fixplatz in den Annalen des österreichischen Fußballs. Als Tormann Otto Konrad - nunmehr Tormanntrainer im ÖFB-Team - mit dem letzten Elfmeter Austria Salzburg ins Uefa-Cup-Semifinale schießt, versetzt er nicht nur halb Österreich in Ekstase, sondern bricht damit einen annährend 40-jährigen Bann: Nach 17 verlorenen Duellen schalten die Salzburger mit Eintracht Frankfurt nach 5:4 im Elfmeterschießen erstmals einen deutschen Klub in einem Europapokal-Bewerb aus.

Tatsächlich war es seit Beginn der Europacups im Jahr 1955 nie gelungen, dem großen Nachbarn ein Bein zu stellen - wiewohl der österreichische Fußball bedeutend bessere Zeiten erlebt hat als Anfang der 1990er Jahre. Doch mit der Sieg in Frankfurt schien eine Art Fluch beendet zu sein - immerhin schalteten die Salzburger im darauf folgenden Uefa-Cup-Halbfinale mit dem Karlsruher SC (1:1 und 0:0) gleich den nächsten DFB-Klub aus.

Und auch im nächsten Duell im Uefa-Cup (der jetzt Europa League heißt) gab es für einen deutschen Klub ein rot-weiß-rotes K.o.: Rapid bezwang 1997 in der zweiten Runde 1860 München - nach einem 1:2 auswärts wurden die Löwen mit einem 3:0 nach Hause geschickt.

Auch eine Etage darunter eilten die heimischen Klub in dieser Zeit von Sieg zu Sieg: Im UI-Cup, der in den Statistiken gerne vergessen wird, wiewohl er damals die Vorstufe zum Uefa-Cup war, sorgten zwei mittlerweile tief gesunkene oberösterreichische Klubs für ansehnliche Erfolge in der Gruppenphase: 1995 setzte sich sowohl Vorwärts Steyr bei Eintracht Frankfurt (2:1) als auch im Jahr darauf Lask Linz (3:1) bei Werder Bremen durch.

Angetrieben vom Ex-Bayern Harald Cerny avancierte der FC Tirol Innsbruck 1995 im UI-Cup zum wahren Deutschland-Schreck: In der K.o.-Phase, die in einem Spiel bewältigt wurde, wurde sowohl Köln (3:1) als auch Bayer Leverkusen (2:2, 5:3 i.E.) eliminiert. Für die Werkself, die Donnerstagabend im Prater auf Rapid trifft, war dieser Auftritt am Tivoli auch der bisher letzte auf österreichischem Boden in einem Europapokal-Match.

In der jüngeren Vergangenheit normalisierte sich dann das Kräfteverhältnis zwischen deutschen und österreichischen Klubs wieder: Der letzte Aufsehen erregende Sieg gelang Rapid vor drei Jahren in der Gruppenphase der Europa League, als der Hamburger SV beim 3:0 im Prater förmlich überrannt wurde. Am Ende ein Sieg ohne Wert - Rapid wurde auch dank des sang- und klanglosen 0:2 im Retourspiel Gruppenletzter, der HSV stieg hingegen auf. Im selben Jahr ging es dem violetten Stadtrivalen in der Europa League nicht besser: 2:2 und 0:2 gegen Werder - Aus für Austria in der Gruppenphase. Nichts zu holen gegen Deutsche gab es für Rapid auch in der höchsten Fußballklasse Europas, der Champions League: 2005 ging man in der Gruppenphase gegen Bayern München 0:4 und 0:1 unter.

Statistik spricht für Rapid

Dennoch können die Rapidler gegen Leverkusen auf die Statistik bauen: Von den fünf bisher absolvierten Europacup-Heimspielen gegen deutsche Klubs wurden vier gewonnen und nur eines verloren. Insgesamt sieht der Ländervergleich auf Klubebene aber düster aus: Ohne die UI-Cup-Spiele miteinzubeziehen, hat Österreich nämlich in 50 Partien 29 Mal verloren und 9 Remis erreicht - die Bilanz in K.o.-Duellen steht bei 3:19 gegen Österreich.