Barcelona. (art) Als Lionel Messis Kopf sich endlich aus der Umarmung seiner Teamkollegen gelöst hatte, sah er ein bisschen zerknautscht aus. Und in erster Linie erleichtert. Seit Wochen hatte halb Europa von einem Rekord geredet, an den in 40 Jahren kein Fußballer herangekommen war. 85 Tore hatte Gerd Müller im Kalenderjahr 1972 für Bayern München und Deutschland geschossen, und Messi war schon nahe dran gewesen. Dann kamen eine Verletzung im bedeutungslosen Champions-League-Spiel des FC Barcelona gegen Benfica (0:0) vor knapp einer Woche und die bange Frage, ob es am Ende diese wäre, die ihn auf dem Weg zum nächsten Meilenstein seiner Karriere stoppen würde. Doch die Blessur stellte sich als harmlos heraus, Messi konnte gegen Betis Sevilla (2:1) spielen und weiterhin das machen, was ihn in dieser Saison - nebst seinen anderen Qualitäten - ausgezeichnet hatte: Tore schießen.

Mit zwei Treffern schraubte er seine Statistik auf 86 in die Höhe. Damit ist die Frage nach dem Rekord nun beantwortet - auch wenn Statistiker nicht zu Unrecht einwenden, dass Müller für seine 85 Tore nur 60 Spiele gebraucht hatte und damit um bisher sechs weniger als Messi in diesem Jahr. Und drei Spiele hat er noch. Gleichzeitig ist er nun mit insgesamt 192 Treffern der erfolgreichste Liga-Torschütze der Geschichte Barcelonas. Auf 190 Tore hatte es César Rodríguez in den 40er und 50er Jahren gebracht.

Doch Zahlenspiele und Rekorde sind für den Argentinier ohnehin nur Randerscheinungen. "Ich habe immer gesagt, das ist zwar schön, aber viel wichtiger ist es, dass wir gewonnen haben, weil es bedeutet, dass wir weiter in der Liga klar vorne bleiben", sagte der 25-Jährige. "Mein Ziel ist jedes Jahr dasselbe: Möglichst viele Titel mit der Mannschaft zu gewinnen, am besten die Liga, die Champions League und den Cup."

Falcao mit fünf Toren


Zumindest jener in der Meisterschaft scheint den Katalanen ohnehin nicht mehr zu nehmen zu sein, sechs Punkte Vorsprung weist Barcelona auf den ersten Verfolger Atlético Madrid auf. Dessen Topstürmer Radamel Falcao leistete indessen am Sonntag ebenfalls Erstaunliches: Beim 6:0 über Deportivo La Coruña schoss er gleich fünf Tore, das ist in Spanien seit zehn Jahren niemandem mehr gelungen. Es wäre wohl die Geschichte des Abends gewesen, wäre da nicht die Überbietung eines noch viel älteren Rekordes durch Messi gewesen.