"Wiener Zeitung": Am Freitag tritt Österreich in der WM-Qualifikation daheim gegen Färöer an. Werden da unangenehme Erinnerungen an das 0:1 von 1990 wach?

Toni Polster: Ja freilich, es war eine Riesenblamage, aber nachher haben wir sie ein paar Mal weggeputzt und von daher haben wir die Niederlage wiedergutgemacht. Aber solche Spiele gibt es in jeder Fußballkarriere, das ist nicht zu verhindern. Wenn manches nicht zusammenpasst und die richtige Einstellung nicht stimmt, dann kann so etwas rauskommen. Natürlich war es eine Blamage, da brauchen wir nicht reden. Das war völlig unnötig.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Performance des Nationalteams?

Es sind schon Fortschritte zu erkennen. Ob uns aber der große Wurf, sprich die WM-Qualifikation gelingt, ist für mich mehr als fraglich. Da bin ich eher skeptisch, muss ich sagen, aber ich würde es mir wünschen natürlich, keine Frage.

Woran hakt es?

Wir haben keine überragenden Torhüter, so wie wir’s früher gehabt haben. Wir haben auch keinen überragenden Abwehrchef und keinen überragenden Spielmacher, so wie wir’s früher gehabt haben. Und auch keinen Torjäger. Aber wir haben trotz allem unterm Strich keine schlechte Mannschaft.

Ist zu wenig in den Nachwuchs investiert worden?

Zu wenig würde ich nicht sagen, aber vielleicht haben wir den Fehler begangen, die Jungs nicht für das Profileben so richtig vorzubereiten. Das, glaube ich, ist eher der Fall. Zu wenig ist sicher nicht gemacht worden, aber vielleicht nicht ganz das Richtige, das heißt zu viel für die Theorie und zu wenig für die Praxis. Aber vielleicht geben wir dem Nachwuchs auch zu viel vor und fördern zu wenig die Phantasie und die Kreativität, die unbedingt im Fußball dazugehört.

Es gibt ja auch Top-Teams in Österreich. So liefert die Wiener Austria derzeit gute Ergebnisse. Was macht Peter Stöger besser als andere?

Die Austria ist vor allem konstant, sie haben die Heimschwäche abgelegt und sind somit konstant, was man jetzt von Salzburg, Rapid und Sturm nicht behaupten kann. Sie haben die Fähigkeit, auch wenn sie nicht gut spielen, Spiele trotzdem zu gewinnen.