Und um auch das Beispiel Spanien aufzuklären: Seinen einzig erworbenen Stern streifte sich der aktuelle Weltmeister unmittelbar nach dem gewonnenen WM-Finale 2010 in Form neuer Trikots über, was dann auch die Bedeutung dieses Symbols für die einzelnen Spieler beweist. Für die drei EM-Titel (1964, 2008, 2012) gab es von der Uefa übrigens keine dekorativen Stern-Zeichen, was durchaus verwundet, wenn man sich die strikten Reglements und Abläufe des europäischen Fußballverbandes bei Großveranstaltungen in Erinnerung ruft - Stichwort Fanzonen.

Und auch bei Champions sowie Europa League mischt die Uefa nicht im Sterne-Wettlauf mit: Seit einigen Jahren gibt es allerdings blaue Ehrenwappen mit der eingetragenen Anzahl an Landesmeister-Pokal- beziehungsweise Champions-League-Siegen - allerdings nur für Teams ab fünf Erfolgen oder drei Titeln in Serie. Weshalb nur Real Madrid, AC Milan, Bayern, Liverpool und Ajax zu diesem elitären Zirkel gehören. Der nicht kleine Schönheitsfehler an der Sache: Das blaue Wappen findet sich nicht prominent auf der Brust, sondern dezent versteckt am Ärmel - weshalb es den meisten Fans noch gar nicht aufgefallen sein dürfte.

Frechheit siegt, dachte sich hingegen die dänische Nationalelf, als sie 2004 bei der EM in Portugal als Nicht-Weltmeister mit einem Stern am Leiberl antrat - in Erinnerung an den Sensations-EM-Titel 1992. Es blieb freilich bei diesem einmaligen Erscheinen des Sterns von Kopenhagen; womöglich war die Sache einigen Uefa-Funktionären doch nicht ganz geheuer.

Keine Sterne in Athen


Dabei wird in den europäischen Ligen geradezu ein Wildwuchs an unterschiedlichen Regelungen geduldet: Während mit der Premier League in England und der Primera División in Spanien zwei der bedeutendsten Ligen gänzlich auf Meistersterne verzichten, gilt in den meisten - aber eben nicht allen - Verbänden die "Zehnerregel": also ein Stern für zehn Meistertitel. Daher darf Rekordmeister Rapid als Einziger drei Sterne tragen (für 32 Meistertitel), die Austria eben zwei und Innsbruck für zehn gesammelte Titel genau einen. Allerdings gab es auch schon (violette) Forderungen, den Grün-Weißen zwei Sterne abzuerkennen, da die Hälfte der Rapid-Titel vor Beginn der österreichweiten Liga errungen worden war. Das kommt für die Bundesliga freilich nicht infrage, wie betont wird - "es bleibt aber ein ewiges Diskussionsthema".

Auf dasselbe Vergabesystem wie Österreich setzen unter anderem auch Italien, die Schweiz, Portugal, Frankreich und Griechenland - wobei allerdings namhafte Vereine auch bewusst auf die Meistersterne verzichten: etwa der FC Porto, Panathinaikos Athen oder Celtic Glasgow.

Und während Russland und die Türkei bereits ab fünf Titeln Sterne verleihen, weicht just das sonst so straff reglementierte Deutschland ab und hat einen etwas eigenwilligen Schlüssel erkoren. Ab drei Meistertiteln gibt es einen Stern, ab fünf zwei Sterne, ab zehn Titeln drei und ab 20Titeln vier (die der FC Bayern aktuell inne hat). Gewertet werden allerdings nur Titel in der Bundesliga, die erst 1964 gegründet wurde - weshalb der Deutsche Fußball Bund (DFB) 2005 eine zweite Regelung einführte.

Demnach stehen auch früheren deutschen beziehungsweise DDR-
Meistern Sterne zu: Schalke bekäme daher zwei, Dynamo Berlin deren drei und der 1. FC Köln immerhin einen. Der Haken an der Sache: Die DFB-Regelung, die von der Bundesliga bekämpft wird, gilt nur für Vereine unterhalb der dritten Liga. Also letztlich ein Muster ohne Wert.

Sternesammler Barcelona

Wahrer Meister im Sternesammeln ist übrigens Barcelona - allerdings nicht der aktuelle spanische Champion, sondern sein gleichnamiges Pendant in Ecuador: Für 13 Liga-Titel hat der Verband großzügigerweise ebenso viele Sterne verliehen. Viel Arbeit für diejenigen, die die Sterne auf die Leiberl nähen müssen.