Wien. Die Wiener Austria - das ist seine große Liebe. Obwohl Toni Polster in seiner fast 20 Jahre währenden Profikarriere gerade einmal fünf Jahre bei den Favoritnern gespielt hat, ist und bleibt er im Herzen immer ein Violetter. Schließlich wurde am holprigen Horr-Platz aus dem groß gewachsenen, damals schon rotzfrechen Lockenkopf der spätere Torero von Sevilla und Toni-Doppelpack von Köln geformt. Drei Meistertitel, einen Cupsieg und 167 Tore später verließ er den Klub 1987, um die wohl erfolgreichste Spielerkarriere eines österreichischen Kickers anzutreten. Und ohne als Spieler noch einmal die Chance zu bekommen, die große Karriere im violetten Dress zu beenden.

Nach dem unrühmlichen Kurzgastspiel als Austria-Sportmanager, das 2005 im Clinch mit Mäzen Frank Stronach endete, kehrt Polster nun zurück an den Verteilerkreis. Erstmals als Trainer einer Bundesliga-Mannschaft, aber nicht auf der Bank seiner alten Liebe, sondern auf Seiten von Admira Wacker. Meister gegen graue Maus also. Titelaspirant gegen Abstiegskandidat. Ein eigentlich wenig brisantes Duell, wäre da nicht die Person Toni Polster, die am Samstagnachmittag alle Augen auf sich ziehen wird. Und damit den Auftakt des regierenden Meisters und seines neuen Trainers, Ex-WAC-Coach Nenad Bjelica, in den Schatten stellen wird. Zumindest so lange, bis die Partie angepfiffen ist.

"Es kribbelt. Ich freue mich, dass es losgeht", erklärte Polster im Vorfeld seines Liga-Debüts. An seinen unsanften Hinauswurf als Team-Manager der Austria mit anschließendem Hausverbot denkt die violette Ikone, die 1987 auch den goldenen Schuh als bester Torjäger Europas eroberte, dabei nicht mehr. "Alles längst vergessen", meint Polster kurz angebunden zu dem Thema.

"Ich will gewinnen"

Viel lieber manövriert er sich in die angestammte Rolle des Schmähbruders: "Ich hoffe, die Fans werden mir verzeihen, dass ich am Samstag trotzdem gewinnen will." Ein fast aussichtsloses Unterfangen, zumal die Favoritner ihr Meisterteam halten und sich mit Rubin Okotie und Daniel Royer verstärken konnten - während bei den Südstädtern nunmehr das Diktat der leeren Kassen herrscht und Polster eine junge No-Name-Truppe anführt.

Jedenfalls sieht der 49-jährige Team-Rekordtorschütze die Erstrundenauslosung als "Ironie des Schicksals". Und er spricht von Heimkehr: "Ich fühle mich hier zu Hause. Ich bin in der Generali-Arena gern gesehen", so Polster, der zuletzt auch klar erkennen ließ, wo er als Trainer einmal hin will. "Es ist jetzt müßig darüber zu reden. Es hat nie ein Angebot der Austria gegeben", erklärte er etwa auf die Frage, ob er nicht gerne Nachfolger von Peter Stöger geworden wäre.

Der, der es geworden ist, hat ab Samstag nur ein Ziel: "Ich kann und will keine heiße Luft verkaufen. Das Ziel ist ganz klar die Titelverteidigung. Auch wenn es logischerweise schwierig wird", stellte Bjelica klar.

Voll Optimismus geht auch der Titelaspirant Nummer eins, Red Bull Salzburg, in das Auftaktmatch bei Wiener Neustadt. "Wir wollen sofort ein positives Signal setzen", betonte Salzburg-Trainer Roger Schmidt. "Wir wollen das auf den Platz bringen, was wir uns in der Vorbereitung erarbeitet haben. Wir müssen das beweisen, was wir auch in den Testspielen gezeigt haben." Immerhin: Der Vizemeister ist als einziges Team im Kalenderjahr 2013 in der Liga noch unbesiegt.