Wien. (rel) Wäre Red Bull Salzburg ein meteorologisches Phänomen, so müsste wohl das aktuelle Hoch, das den Klub zu Beginn der neuen Bundesliga-Saison am Wochenende ergriffen hat, "Soriano" heißen. Gleich dreimal hatte der aus Spanien stammende Kapitän beim Auftakt gegen Wiener Neustadt den Ball im Netz versenkt - und damit den Klub an die Spitze der Tabelle katapultiert. Konkurrenten wie Kommentatoren blieb in der Folge nichts anderes übrig, als die Superlative, mit denen sie bereits im Vorfeld den Vizemeister bedacht hatten, aufs Neue zu wiederholen: "Beste Mannschaft", "überragender Gegner", "haushoher Favorit".

Tatsächlich stehen die Chancen für Salzburg, 2014 den Meisterteller zu erobern, nicht so schlecht. Und das nicht allein aufgrund des Erstrundenergebnisses. Es ist vielmehr die positive Einstellung, die aktuell Freund und Feind an einen langfristigen Erfolg in Rot-Weiß glauben lassen. "Wir wollen heuer beweisen, dass wir die beste Mannschaft Österreichs sind", meinte Coach Roger Schmidt nach dem 5:1-Triumph gegen die Niederösterreicher. Daran ließ auch sein Kollege bei Wiener Neustadt, Trainer Heimo Pfeifenberger, keinen Zweifel: "Dieser überragende Gegner war einfach eine Nummer zu groß", befand er. Und Stürmer Thomas Pichlmann ergänzte: "Da war nichts mehr zu holen, wir haben gegen die beste Mannschaft Österreichs gespielt." Damit aber das Hoch der Salzburger auch in den kommenden Runden erhalten bleibt, müsste beim Schlager gegen den aktuellen Tabellenzweiten Austria Wien am Samstag (19 Uhr) ein weiterer Erfolg her. Für Jonathan Soriano sind Tore daher Pflicht: "Das würde uns Selbstsicherheit bringen", meinte er.

Allerdings, leicht wird es die Schmidt-Truppe mit den Violetten nicht haben. Zwar war der Heimsieg gegen eine frech aufspielende Admira hart erkämpft - die erlösenden Tore fielen in der 77. beziehungsweise 93. Minute -, allzu viel Respekt vor den Salzburgern zeigte man am Verteilerkreis zu Wochenbeginn auch wieder nicht. Ist das aktuell laufende Vorbereitungsprogramm für die nächsten Herausforderungen in Meisterschaft, Cup und Europacup einmal abgeschlossen, will man sich spätestens Anfang August wieder gewohnt meisterlich zeigen. "Körperlich sind wir bei 70 Prozent", sagte Neo-Coach Nenad Bjelica in Bezug auf das Admira-Match. "Die Mannschaft ist übers Limit gegangen und hat die Müdigkeit besiegt."

Rapid, Sturm und Ried unter den Erwartungen

Dass sich der amtierende Meister gegen die Admira müde gelaufen habe, fasst man in der Vorstadt als Kompliment auf. Demnach habe sich das Team gut gehalten - auch dank Toni Polster, wie Kapitän Stefan Schwab meinte: "Polster will, dass wir offensiv spielen, hoch verteidigen und pressen. Er bringt viel Schmäh und positive Energie hinein." Polsters Positivität hat durch den nur vom Ergebnis her verpatzten Auftakt keinesfalls gelitten. "Wenn wir weiter so Fußball spielen, dann werden die Punkte von allein kommen", zeigte sich der 49-jährige Team-Rekordtorschütze überzeugt.

Dass selbst sicher geglaubte Punkte nicht immer abgeholt werden können, das mussten in der ersten Runde auch Rapid, Sturm Graz und Ried zur Kenntnis nehmen. Alle drei Klubs kamen am Wochenende gegen WAC - Rapid gab hier sogar noch eine 2:0-Führung aus der Hand -, Innsbruck und Grödig nicht über ein Unentschieden hinaus.

Salzburg mit Heimspiel in Champions-League-Quali

Während also das Hoch bei Admira, Rapid und Ried noch auf sich warten lässt, ruhen bei Salzburg und Austria alle Hoffnungen auf einer guten internationalen Großwetterlage, rüsten sich doch beide Teams für die Qualifikationsspiele in der Champions League.

So bekommen es die Violetten Ende Juli mit dem Sieger der Partie Ekranas Panevezys aus Litauen gegen Hafnafjördur aus Island - die Skandinavier haben das Hinspiel auswärts mit 1:0 gewonnen - zu tun, Salzburg hingegen hat Fenerbahce Istanbul am 31.Juli (20.30 Uhr, live ORFeins) zu Gast. Tatsächlich ist das türkische Los einem Zufall geschuldet, hatte doch Istanbul erst kürzlich durch ein Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs die Spielgenehmigung erhalten. Wie berichtet, hatte die Uefa Fenerbahce wegen der Verwicklung in einen Manipulationsskandal für zwei Jahre gesperrt. Die Rückspiele finden am 6./7.August auswärts statt. Ob das Hoch der Teams bis dahin anhält, bleibt abzuwarten.