Wien/Reykjavik. (rel) Es wäre wohl nicht fair, den Heimathafen des isländischen Fußball-Meisters Hafnarfjördur als Kaff zu bezeichnen. Immerhin zählt die nur wenige Kilometer südlich der Hauptstadt Reykjavik gelegene 25.000-Einwohner-Stadt nicht nur zu den größten, sondern auch zu den historisch ältesten Siedlungen dieser Atlantikinsel. Belegt ist das durch eine Eintragung im so genannten "Landnámabók" aus dem 11. Jahrhundert.

Eine Landnahme in Island geplant hat auch die Wiener Austria - wenn auch nur auf sportlichem Gebiet. Mit einem 1:0-Vorsprung vom Hinspiel im Gepäck trifft der amtierende österreichische Meister Mittwochabend (18 Uhr/live Puls4) in der Qualifikationsrunde der Champions League auf den isländischen Titelträger Hafnarfjördur. Gelingt der Elf von Coach Nenad Bjelica in Island ein Erfolg - rechnerisch würde ein 0:0 genügen -, dann würde dies für die Violetten auf jeden Fall eine Premiere bedeuten. Immerhin waren die Wiener bisher noch nie über die dritte Qualifikationsrunde hinausgekommen und zuletzt an Olympique Marsaille (2003) und Benfica Lissabon (2006) am Aufstieg ins Play-off gescheitert. Damit befindet sich die Austria in guter Gesellschaft, haben doch mit Rapid, Austria Salzburg und Sturm Graz in Österreich bisher nur drei Klubs jemals die Gruppenphase der Champions League erreicht.

Sieg gegen Hafnarfjördur brächte 3,5 Millionen Euro

Geht es nach Bjelica, soll das diesmal anders werden - und der Aufstieg fixiert werden. "Wir werden früh attackieren, Druck auf den Gegner ausüben und versuchen, Tore zu schießen. Wir wollen uns nicht verstecken und abwarten", sagte er. "Ich bin überzeugt, dass wir weiterkommen. Und die Spieler sind das auch."

Angesichts der defensiven Haltung, mit der die Skandinavier in der Vorwoche in Wien aufgetreten waren, stehen die Chancen nicht schlecht. Hafnarfjördur war nicht gefährlich, drang kaum über die Mittellinie und schien trotz Niederlage mit dem Spielverlauf und dem Ergebnis zufrieden. Für Bjelica heißt es daher abwarten, ob denn Islands Tabellenführer diese Spielanlage auch zu Hause praktizieren wird. Aber selbst wenn die Gastgeber in die Offensive gehen sollten, muss das nicht zum Nachteil der Austria sein, vorausgesetzt die Violetten wissen die damit gewonnenen Räume für Kombinationsspiel und Konter zu nützen. Gefährliche Standardsituationen vor dem Austria-Gehäuse, die dem Gegner zu einem schnellen Tor verhelfen könnten, will Bjelica auf der Insel nicht sehen. "Wir sollten unnötige Fouls in Strafraumnähe wenn möglich vermeiden. Das könnte sonst gefährlich werden", so Bjelica.

Aber nicht nur sportlich, sondern auch finanziell steht für die Austria im kühlen Norden - angesagt wurden für Mittwoch Temperaturen um 13 Grad - einiges auf dem Spiel. Rund 3,5 Millionen Euro wäre der Aufstieg bereits wert, da zumindest die Gruppenphase der Europa League schon abgesichert wäre. Deutlich mehr zu verdienen gäbe es natürlich mit weiteren Auftritten in der Champions League über das Play-off hinaus.

Hexenkessel wie im Fall von Red Bull Salzburg am Dienstag in Istanbul gegen Fenerbahce ist im Stadion Kaplarkrikavöllur mit seinen etwas mehr als 3000 Sitzplätzen keiner zu erwarten. Im Zweitrunden-Rückspiel gegen den litauischen Club Ekranas Panevezys etwa kamen 1623 Zuschauer. Schließlich waren und sind Landnahmen auf der nordatlantischen Insel, ob nun einst durch Wikinger oder heute durch König Fußball, immer schon überschaubar. Konsequenzen für den Kontinent hatte bisher beides nicht.