Peter-Michael Reichel hofft auf Übernahmewillige. - © Diener
Peter-Michael Reichel hofft auf Übernahmewillige. - © Diener

Linz. Die Geschichte des Lask - laut der Eigendefinition fußballerischer "Stolz von Oberösterreich" - ist eine Geschichte des permanenten Überlebenskampfes. Zumindest die jüngere Geschichte des Vereins, der 1965 erster österreichischer Meister von außerhalb Wiens wurde und seither einen nur phasenweise durchbrochenen, ständigen Abstieg durchmacht.

Mittlerweile ist der Klub am bisherigen Tiefpunkt angekommen und spielt schon die zweite Saison in Folge in der Regionalliga Mitte. Zwar wurde der Lask vergangene Saison Meister, den Aufstieg in die Erste Liga verpasste man aber in der Relegation gegen das Red-Bull-Nachwuchskonstrukt aus Salzburg, den FC Liefering. Die aktuelle Saison spiegelt den Abstieg des Vereins in der Gunst des Linzer Publikums in komprimierter Form wider.

Im ersten Spiel der Saison schlug der Lask im ÖFB-Cup Rapid Wien in einem dramatischen Spiel im Elfmeterschießen. Mehr als 6000 Zuschauer kamen auf die Linzer Gugl. Zuletzt, gegen die Kapfenberg Amateure, waren es nur noch 400 Zuschauer. Dass die Mannschaft von Trainer Karl Daxbacher auch in dieser Saison wieder an der Tabellenspitze steht, ändert daran nichts. Auch zum Spitzenspiel gegen den Tabellendritten, die Amateure von Sturm Graz, am Samstag (15.30 Uhr) werden nicht viel mehr Zuschauer erwartet.

Der Zuschauerschwund hat weniger mit den sportlichen Leistungen als mit dem ständigen Überlebenskampf des Klubs zu tun. Aus Protest gegen den Präsidenten Peter-Michael Reichel boykottieren die Fanklubs seit Monaten die Heimspiele. Der Streit zwischen Präsident und Fanklubs zieht sich schon über Jahre hin, nun ist die Aufregung aber besonders groß.

In Lokalmedien haben Überlebens-Metaphern wieder Hochkonjunktur, seit Klubgeschäftsführer Gerhard Klein vergangene Woche in einem ORF-Interview Alarm schlug. Er sprach davon, dass Ende Oktober beim Lask "die Lichter ausgehen können" - von einem drohenden Konkurs. Eine derartige Diktion ist für gelernte Lask-Fans freilich nichts Neues, auch Reichel selbst verwendete in seiner Amtszeit immer wieder gerne dramatische Worte. "Wir werden alles tun, um ein Aus zu verhindern", sagte er etwa schon 2002, als er aufgrund finanzieller Probleme für eine Pressekonferenz eigens nach Wien fuhr. Bisher ist es beim Lask immer irgendwie weitergegangen - und auch diesmal gibt es keine klare Stellungnahme, wie schlimm die Lage wirklich ist. Dass sie nicht rosig ist, steht aber außer Zweifel.

Politik in prominenter Rolle


Der Klub leistet sich in der Regionalliga zum zweiten Mal in Folge einen Profikader, der aus den laufenden Einnahmen kaum zu finanzieren ist. Zudem ist der Klub bei seinen Eigentümern, darunter auch Reichel, hoch verschuldet. Genaue Zahlen sind aber nicht bekannt. Dagegen ist die Situation nicht wirklich neu, dafür wurde sie im Sommer aber davon befeuert, dass Reichel den Einstieg einer Investorengruppe medienwirksam in einem TV-Interview vor dem Spiel gegen Rapid als fix verkündete und seinen eigenen Rückzug in Aussicht stellte. Passiert ist danach aber nichts.

Und so wird aktuell noch immer ums Überleben des Klubs weniger gekämpft als verhandelt. Ein Konkurs wird von Beobachtern als nicht sehr wahrscheinlich betrachtet, schließlich würde sich Reichel damit auch um seine eigenen Forderungen gegenüber dem Klub bringen. Vielmehr dürfte es Reichel darum gehen, den optimalen Preis für seine Anteile herauszuschlagen und also mit möglichst geringem Verlust oder gar Gewinn aus dem Lask herauszukommen.

Er übernahm den Lask im Jahr 2000 mit seinem Partner, dem Unternehmer Helmut Oberndorfer, um umgerechnet knapp 2,2 Millionen Euro (30 Millionen Schilling). Nun fordert Reichel für seine Anteile aufgrund zwischenzeitlicher Investitionen dem Vernehmen nach sechs Millionen Euro. Auch an der Höhe dieser Forderung sollen die Verhandlungen mit einer Investorengruppe um den Unternehmer Manfred Zauner, der auch Präsident und Mäzen bei Wallern, einem Regionalliga-Konkurrenten des Lask, ist, im Sommer gescheitert sein. Nun soll Zauner laut Medienberichten wieder Teil der interessierten regionalen Investorengruppe sein. Auch die Raiffeisen-Landesbank Oberösterreich soll mit von der Partie sein. Als Mediator sei Wirtschafts-Landesrat Michael Strugl involviert, schreiben die "Oberösterreichischen Nachrichten".

Die prominente Rolle der Politik ist nicht die einzige Parallele zum Einstieg Reichels vor 13 Jahren. Als Reichel im Februar 2000 beim Lask als Retter gefeiert wurde und auf der anderen Seite des Tisches saß, hatte Landeshauptmann Josef Pühringer vermittelt. "Seit den 60er Jahren stürzt der Lask von einer Turbulenz in die nächste - das muss nun vorbei sein", hatte der Präsident damals erklärt. An diesem Ziel ist er klar gescheitert.