Wien. 200 Millionen Euro für ein bisschen Landeswerbung? Es ist nicht gerade wenig, das der katarische Tourismusverband jährlich an den französischen Fußballklub Paris St. Germain überweist. Damit möglichst viele Menschen in dem Wüstenstaat am Persischen Golf Urlaub machen, wie es offiziell heißt. Schon möglich, dass europäische Kicker als Werbeträger für einsame Kamelritte taugen - aber dafür in fünf Jahren eine Milliarde hinzublättern, kommt nicht nur Werbeexperten viel vor. "Unverhältnismäßig" findet das daher auch die Uefa und hat eine eingehende Untersuchung des Sponsorings durch den katarischen Tourismuswerber QTA eingeleitet.

Grundlage für die nun drohende Prüfung sind konkrete Financial-Fair-Play-Regeln, die vor Jahren im Verband implementiert worden waren, um die Fußballklubs vor unlauterem Wettbewerb, steigender Überschuldung und illegalen Finanzdeals zu schützen. Mit Blick auf Paris St. Germain glaubt die Uefa diese Tatbestände erfüllt. Wobei den Franzosen genau genommen keine Wahl bleibt. Denn fließen die Ölmillionen nicht, sind neue Schulden nicht zu vermeiden. Tatsächlich dürfte PSG weit mehr als die nach Uefa-Regeln erlaubten 45 Millionen Euro, die bis 2015 noch an Netto-Schulden aufgenommen werden könnten, benötigen, um auf so hohem Niveau über die Runden zu kommen. Es sei denn, man schnallt den Gürtel enger.

Paris St. Germain droht Uefa-Kuratel und Titelentzug


Und genau das will die Uefa dem Hauptstadt-Klub nun nahelegen, anderenfalls drohen Sanktionen. Diese reichen von einem Moratorium, bei dem die Uefa die Kontrolle über die Gehalts- und Transferpolitik des Vereins erlangt, bis zum Titelentzug, was wiederum bedeuten würde: Sollte Paris St. Germain in diesem Jahr tatsächlich die Champions League gewinnen, so würde der Titel aus allen Jahrbüchern gestrichen.

Allein bei den Franzosen sieht man die Entwicklung noch gelassen und bleibt dabei: Der Vertrag mit dem katarischen Tourismuswerber QTA sei rechtens. Das betonte zuletzt auch PSG-Generaldirektor Jean-Claude Blanc: "Katar will in den nächsten zehn Jahren zu einer Touristenattraktion werden. Dazu müssen das Land, seine Möglichkeiten, seine Attraktivität bekannt werden. Dazu trägt PSG bei. Deshalb verteidigen wir den Vertrag nicht arrogant, sondern aus Überzeugung", erklärte er.

Allerdings hätten es Blanc und seine Berater verstehen müssen, den Deal mit QTA etwas geschickter einzufädeln. Denn tatsächlich erscheint die Optik nicht nur im Zusammenhang mit der Summe - so beläuft sich etwa im Vergleich dazu der Vertrag zwischen Manchester City und Abu Dhabi Tourismus auf nur 15 Millionen Euro jährlich - reichlich schief. Zum Nachteil wirkt sich für Paris beispielsweise aus, dass der Sponsoren-Vertrag offenbar auf nur zwei DIN-A4-Seiten festgehalten ist, ungewöhnlich für ein Sponsoring in dieser Größenordnung. Ein erstes Urteil wird Ende des Monats erwartet. Es gibt eine Berufungsinstanz.

Dessen ungeachtet ist Paris St. Germain am Dienstagabend (nach Redaktionsschluss) im Viertelfinalspiel der Champions League gegen den FC Chelsea angetreten. Das Hinspiel in der Vorwoche in Paris hatte der französische Meister 3:1 gewonnen.